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Bundesweit erstes Pilotprojekt an der AES

Malerinnung will mit AG Nachwuchs gewinnen


Der richtige Pinselschwung bringt’s. Innungs-Ausbilder Johannes Steinsiepe macht vor, wie es sein soll.

Kein Schnee auf dem Schulhof, aber im Raum der Maler-AG gibt es davon reichlich. Neve, also „Schnee“ auf Italienisch, heißt nämlich die Effektfarbe, mit der die Jugendlichen der Jahrgangsstufe 9 heute experimentieren. Aluminiumpartikel bringen die Grundfarbe zum Glitzern wie Firn. Die Essener Maler- und Lackiererinnung bietet den Kurs an der AES in Rellinghausen seit Anfang des Schuljahres an und finanziert sämtliche Materialien und Kursleiter.


Erst rühren, dann streichen. Die Farbe will es so.

Mangelnder Nachwuchs an Auszubildenden zwingt zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Das Pilotprojekt ist bundesweit einmalig und steht daher unter Beobachtung des Bundesverbandes. Innungs-Obermeister Marc-Alexander Kecker bedauert, dass Jugendliche immer weniger Zugang zum Handwerk finden. Er ist aber überzeugt, dass das Schul-AG-Projekt „Potential sichtbar machen kann, was hinter dem Beruf an Ideen steckt.“


Lara probiert den Kreuzschlag aus, während Malermeister Robert Weiser ihre Technik begutachtet.

Und so startete der Kurs mit Einblicken in die Farb- und Gestaltungspsychologie sowie die Farbenlehre, immer verbunden mit praktischer Umsetzung von Kreuzschlag, Wickeltechnik oder Stucktechnik. Heute teilen sich der Bergerhauser Malermeister Robert Weiser und Innungs-Ausbilder Johannes Steinsiepe die Arbeit. Der Ausbilder schwingt den Pinsel über einer neutralen Platte und zeigt, wie man die Farbe gleichmäßig und deckend aufträgt. Danach ist Lara dran und übt sich gewissenhaft im Kreuzschlag.


Felix probiert die Folientechnik aus. Er lässt die „Maus“ über die Folie rollen und erzielt überraschende Effekte.

Die Jugendlichen sehen in ihren weißen Overalls ein bisschen aus wie die Forensiker, die im Krimi die Tatorte untersuchen. Justin, dessen Anzug die gesamte Farbpalette der vergangenen Wochen verrät („Nur Orange fehlt mir noch.“), ist begeistert wegen all der Dinge, die er schon gelernt hat. Gerade begutachtet er die Platten seiner Mitschülerinnen, die zum Trocknen aufgestellt sind, als die Folientechnik eingeführt wird. Blau grundierte Platten werden dünn mit einer goldschimmernden Lasur bestrichen. Dann legt der Ausbilder eine Folie auf und rollt sie mit der „Maus“ in den frischen Farbauftrag um sie zu „crashen“. Feinste Strukturen, die an Landschaften oder Gesteinsäderungen erinnern, bleiben zurück. Die Mädchen und die beiden Jungen sind begeistert, der Spieltrieb bricht sich Bahn.


Schutzbrillen sind hier Pflicht, denn der Fachmann sprüht Säure auf, um Eisenpartikel oxydieren zu lassen.

Die dritte Technik erfordert Schutzbrillen. Eisenpartikel in dieser Farbe werden mit Säure angeätzt und man kann zusehen, wie Rost entsteht. Die Farboberfläche erhält so eine edle Patina. Fertig, Zeit, seine Arbeiten zu signieren. Während sich die Jugendlichen aus den Overalls schälen, kommt die gemeinsame Abschlussarbeit zur Sprache: die komplette Gestaltung eines Klassenraums. Malermeister Robert Weiser schwebt ein Sockel vor, oder Stuckeffekte an der Decke, mal sehen. Ob auch der Flur noch von der Gestaltung der AG profitiert, wird noch zu klären sein. Jedenfalls hat diese AES-AG keine Berührungsängste mit dem Handwerk.
 
Michael Rausch



Veröffentlicht am:
07.01.2020