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Bewerbungen - es geht um die Wurst

Die andere Seite des Schreibtisches

Anschreiben, Lebenslauf, Foto, Zeugnisse - in Jahrgang neun werden Bewerbungen geübt. Da ist es clever, sich in den hineinzudenken, der diese Schreiben auf den Tisch bekommt, den Chef. Wie liest er die Anschreiben, was will er sehen und was nicht? Einer dieser Chefs, der Fleischermeister Bernd Burchhardt, stand jetzt der 9a dazu Rede und Antwort.


Chefs wie er sitzen im Einstellungsgespräch auf der anderen Seite des Schreibtischs: Bernd Burchhardt.

Burchhardt erzählt von seinem Handwerk und den Bewerbungen, die er zu lesen bekommt. Da gibt es Unmögliches mit durchgestrichenen und sichtbar ausgetauschten Namen, Lustloses, wörtlich vom Internet Abgeschriebenes. Solchen Bewerbungen gibt er keine Chance. Am liebsten würde er auf Anschreiben ganz verzichten. Er rät zu direktem Anruf, Termin machen, vorstellen. Dazu gehört natürlich der Lebenslauf, der, wie er einräumt „in eurem Alter noch nicht sehr lang ist“. Im Gespräch achtet Burchhardt auf Interesse und Neugier: „Wer nachfragt und Interesse zeigt, kommt in die engere Auswahl.“
Wenn es denn ein Anschreiben sein soll, müsste darin unbedingt auf die Firma eingegangen werden. Der Fleischermeister sieht es da wohl nicht anders als der Personalchef im Großunternehmen: „Firmen brauchen engagierte und produktive Mitarbeiter.“ Sein Tipp: „Macht ein Praktikum. Auch meine Mitarbeiter wollen sehen, ob es passt.“
Welches seine Anforderungen sind, wollen die Jugendlichen wissen. „Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Einsatz. Stellt Fragen. Die Zeugnisse sind zweitrangig, denn die Spezialisierung kommt erst im Beruf.“ Gefragt wird auch nach seiner Einschätzung von Nervosität, Auftreten und Erscheinungsbild. „Fehler sind doch nicht schlimm.“ Da ist der Fleischermeister ganz Mensch. „Während der Arbeit wird allerdings Berufskleidung getragen, wir haben strenge Hygienevorschriften.“
Bei der Gelegenheit stellt Bernd Burchhardt sein Bio-Konzept vor. Fleisch aus artgerechter Haltung, kurze Wege, Verzicht auf Zusatzstoffe, anständiger Umgang mit Tier und Mensch. Bei ihm gibt es keine Sonderangebote: „Meine Bauern brauchen ihr Geld.“ Und: „Wir schmeißen nichts weg.“ Nicht verkauftes Fleisch landet sofort in der Wurstküche, Aufschnitt bei sozialen Organisationen.


Man sollte durchaus nachrechnen. „Immer weniger Schulabgänger wollen ins Handwerk. Dabei steigen gerade hier die Einkommen“, erklärt Bio-Fleischermeister Bernd Burchhardt

Bernd Burchhard ist eben nicht nur Handwerksmeister, sondern auch Firmenchef, der alle Belange des Unternehmens im Auge haben muss. Das macht er seinem Publikum klar. Dass das Handwerk generell mit Nachwuchsmangel zu kämpfen hat, spürt auch er: „Immer mehr gehen in die akademische Richtung, immer weniger ins Handwerk. Dabei steigen gerade hier die Einkommen.“ Seine Mitarbeiter erhalten, wenn’s gut läuft, individuelle Sonderzahlungen. „Ich möchte, dass alle zufrieden sind, denn es geht um die Wurst.“
 
Michael Rausch



Veröffentlicht am:
29.10.2019