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Albert-Einstein-Realschule      Offener Ganztag - individuell gestaltet

Jenseits von Yolo

Verantwortung für die digitale Welt übernehmen

„Stellt euch vor, ihr geht in einen Supermarkt und bevor ihr zahlen dürft, fragt euch die Kassiererin, wo ihr wohnt, wie alt ihr seid und wie viel Geld ihr auf dem Konto habt“, Laura Kornely, Studentin der Erziehungswissenschaften, lässt die Worte auf die Schüler der 8f wirken. „Als Nächstes bekommt ihr mit, dass der Kunde nach euch weniger für das gleiche Produkt bezahlen muss.“ Jetzt sind alle Zuhörer empört und wollen ihre Meinung dazu sagen. Die kleine Gruppe ist Teil des Medienprojektes, das der Dozent Guido Brombach, an der Albert-Einstein-Realschule in Kettwig durchführt. Ein Semester lang hat sich sein Seminar der Medienpädagogik Gedanken dazu gemacht, wie man Schülern der sechsten und achten Klasse einen sicheren Umgang mit sozialen Medien vermitteln kann, damit sie eben nicht jenseits von Yolo sind. Fast alle Schüler kennen den Begriff „Yolo“, der für „you only live once“ steht. Wirkt er mit der deutschen Übersetzung „du lebst nur einmal“ eher positiv besetzt, ist er aber in der Jugendsprache eine Aufforderung, eine Chance zu nutzen und Spaß zu haben, egal welchen Gefahren man sich aussetzt. Ziel des Projektes ist es, den Jugendlichen zu verdeutlichen, dass in der digitalen Welt diese Gefahren lebenslange Folgen haben können.

Passwortklau im Vorbeigehen – die 6e warnt davor in ihrem Tutorial​

„Ich habe super viel gelernt“, sagte Jasmin aus der 6e schon an dem Auftakttag Ende Dezember. Lia pflichtete ihr bei: „Meine Passwörter müssen dringend überprüft werden, die sind bestimmt nicht sicher.“ An dem Tag waren 12 Studentinnen und ein Student der Erziehungswissenschaften nach Kettwig gekommen, um in Kleingruppen mit den Schülern zu arbeiten. Dazu hatten sie einen spannenden Zugang gewählt: In selbst erdachten Brettspielen beschäftigten sich die Kinder mit unterschiedlichen Apps. Fragen und Diskussionen konnten direkt aufgegriffen werden, weil jeweils zwei Studenten die Gruppen betreuten. „WhatsApp-Domino“, „Big Data-Monopoly“ und „Emojis raten“ dienten dem Zweck, über Sicherheitslücken nachzudenken.


Emojis raten, Missverständnisse                 Big Data-Monopoly: Wer kassiert am
inklusive                                                          meisten Geld für den Datenklau?

Diese Erkenntnisse werden dann bei einem zweiten Termin Ende Januar genutzt, um Tutorials zu erstellen. In kleinen Filmsequenzen zeigen die Schüler Rollenspiele, stellen Interviews nach oder erstellen Comics. „Wir wollen digitale Medien in Lernprozesse integrieren“, erklärt der Dozent des Seminars, der gleichzeitig auch Vater zweier Kinder in diesen Klassen ist. „Den Schülern soll bewusst werden, wie vehement sie ihre Privatsphäre schützen, wenn es um ihr Kinderzimmer oder Freundschaften geht. Sobald es um ihr digitales Leben geht, verlieren sie häufig ihre Schutzmechanismen.“ Es werden aber nicht nur die Gefahren thematisiert, sondern viele Jugendliche sehen erst jetzt ein, wie weitreichend ihre digitalen Spuren sind. Dabei geht es nicht um eine Verteufelung der digitalen Welt, sondern um einen bewussten Umgang damit. „Ich bin beeindruckt, wie technikaffin die Schüler sind. Mit den Apps mussten wir uns im Seminar lange beschäftigen und sie können sofort damit umgehen“, grinst Tom Effmann, der einzige männliche Student in dem Projekt. Gerade der schnelle Umgang mit der Technik berge aber die Gefahr, dass AGBs oder andere Zugänge zu unbedacht gewählt würden.


Schritt für Schritt erstellen die Schüler Tutorials.

In einer Abschlussrunde schauen sich beide Klassen gemeinsam die Tutorials an und werden danach mit einem Applaus belohnt. Alle sind stolz auf die digitalen Gebrauchsanweisungen und die Pädagogen sind zufrieden, wenn die Schüler ernst nehmen, was sie in einem Tutorial fordern: „Schützt eure Privatsphäre und euch selbst!“


Produzenten und Kritiker treffen bei der gemeinsamen Vorführung der Tutorials aufeinander.
 
Melanie Kühn



Veröffentlicht am:
13.02.2019