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Albert-Einstein-Realschule      Offener Ganztag - individuell gestaltet

KE „Das Urteil lautet...“



Ernst blicken die Schülerrichter Lukas und Lars in die Gesichter der Angeklagten und Zeugen. Die erste Gerichtsverhandlung an der Albert-Einstein-Realschule in Kettwig neigt sich dem Ende zu und das Urteil wird verkündet. Zwei Fünftklässler waren in der Pause aneinandergeraten.Als Konsequenz müssensie nun schriftliche Entschuldigungen schreiben und Sozialstunden absolvieren. Der Beschluss wird den reumütigen Schülern erklärt und die Strafe wird den Eltern zur Information in das Hausaufgabenheft geschrieben.



Wochenlang hatten sich die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und 10 in der "Schülergericht AG" mit ihrem Lehrer Martin Streibert auf Verhandlungen vorbereitet. Der Ablauf folgt dabei realen Prozessen: Prüfung der Anwesenheit, Berichte des Geschädigten und des Beschuldigten werden nacheinander mit Zeugenaussagen abgeglichen, während die Gegenparteien den Raum verlassen müssen. Die Protokollantin Chiara Richter sorgt dafür, dass keine der Angaben verloren geht. "Habe ich richtig verstanden, dass ...", immer wieder beginnen die Sätze der Richter gleich, damit auch kein Fakt missverstanden wird.

Die Idee des Schülergerichtes kommt ursprünglich aus den USA, wo die so genannten teencourts mit Erfolg Rückfälle unter Straftätern reduzierten. Der grundlegende Gedanke ist, dass Kinder einen anderen Bezug zu Schülern haben und Sachverhalte besser akzeptieren können. "Wir hören immer wieder, dass es gut ist, dass es das Schülergericht gibt", erklärt der Gerichtshelfer Christos. Sein Mitschüler Lars weiß, warum die Kleineren die Beschlüsse so gut annehmen: "Die Schüler wissen, dass die Vorkommnisse den Lehrer in der Regel nicht weitererzählt werden. Es bleibt alles im Gerichtssaal und wird in keiner Schülerakte vermerkt."

In der AG erfolgt die Ausbildung zum Schülerrichter in den ersten vier Wochen des Schuljahres. Die Schüler  simulieren in Rollenspielen die typischen Handlungsabläufe vor Gericht und studieren Gesetzestexte. Außerdem steht ein Besuch im Landgericht auf dem Programm. Nach einigen Wochen sind die Schüler dann in der Lage ein Gericht abzuhalten.

Mögliche Vorkommnisse vor Gericht sind beispielsweise ständige Beschimpfungen oder leichtere Formen der Körperverletzung. In solchen Fällen kann ein Schüler eine Anzeige aufgeben, die dann an die Schülerrichter weitergeleitet wird. Diese entscheiden in einem ersten Gespräch, ob ein Gerichtstermin anberaumt wird oder ob der Fall an die Streitschlichter oder (in schwerwiegenden Fällen) an die Schulleitung weitergeleitet werden muss.

Konrektor Martin Streibert fasst den Sinn des Schülergerichtes zusammen: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Sanktionen, die von Gleichaltrigen verhängt werden, besser akzeptiert werden und eher zu einer Verhaltensänderung führen. Die Schülerrichter der AES agieren in ihrer verantwortungsvollen Position als Vorbilder für alle Mitschüler".
Melanie Kühn



Veröffentlicht am:
29.06.2018