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Neues aus dem digitalen Klassenzimmer

Unterricht auf Distanz

„So, meine Lieben“, die Stimme von Mathelehrerin Carolin Körner klingt entspannt. Ihre Hand mit dem Stift gleitet über das karierte Papier und deutet auf die wichtigen Zahlen und Textpassagen. Im selbst entwickelten Lehrfilm, den ihre „Lieben“ bei YouTube anschauen, geht es um die Berechnung des Prozentwertes. Das Spiel “Die Siedler von Catan“ bildet den Hintergrund für die aktuelle Aufgabe.


Die Matheaufgabe diesmal nicht an der Tafel. Sie ist jetzt als Film bei YouTube abrufbar.


„Ich bin jetzt YouTuberin“, sagt die Pädagogin lächelnd. Wer hätte das gedacht? Sie hat in der Schulcloud ein digitales Klassenzimmer eingerichtet und stellt dreimal wöchentlich zwischen 8 und 9 Uhr Matheaufgaben für zwei Klassen ein. Mittags gibt’s die Lösungen. Dazwischen und danach ist sie für Rückfragen da, die sie umgehend beantwortet.


Und hier die möglichen Lösungswege. Die Stimme der Lehrerin und ihr Stift führen durch die Welt der Prozentsätze.


„Die Kinder machen das gut“, findet Carolin Körner, die sehr wohl weiß, was diese Unterrichtsform für viele bedeutet: „Diese Selbstorganisation ist eine echte Herausforderung.“ Und sie selbst leistet zeitlich wesentlich mehr Aufwand als zu Nicht-Corona-Zeiten: „Die ersten Tage war ich von 6 bis 21.30 Uhr am Rechner.“

Den Mehraufwand kann ihr Kollege Stefan Knappmann bestätigen. „Ich arbeite mehr als sonst.“ Während Lehrer sonst häufig auf vorgefertigtes Unterrichtsmaterial zurückgreifen konnten, gilt es nun vorrangig, die Materialien selbst zu erstellen. Am frühen Morgen checkt der Physiklehrer die Schulcloud, ob Fragen anstehen. „Dann frage ich nach, ob es Probleme bei den Aufgaben gab. Falls ja, nehme ich ein Video mit Erklärung auf und stelle es ein.“ Kurz drauf stellt er die Aufgaben für den Tag in die Cloud. Ach ja, lösen muss er die Aufgaben selbst auch, „damit ich später wieder nachfragen kann, ob es Probleme gab“. Falls nicht, stellt er die Lösungen, während seine drei Töchter neben ihm ihre Aufgaben erledigen.


Physiklehrer Stefan Knappmann in Action bei Youtube. An der Tafel ein Gleichstrom-Schaltkreis, vorne warten Schaltelemente auf ihren Einsatz.


In diesen Tagen sind Lehrer selbst verstärkt als Eltern gefragt und können sich gut in die häusliche Situation hineinfühlen, in der ihre Schützlinge und ihre Eltern sich zur Zeit  befinden. „Die Stimmung auf Seiten der Eltern ist ganz ok“, berichtet Schulleiter Martin Streibert. „Die Eltern sind in der überwiegenden Mehrzahl sehr kooperativ. Einzelne bedanken sich bei mir für die Organisation des schulischen Alltags.“ Für die Ferien stellt die AES einen Pool aus mindestens neun Lehrkräften zur Notbetreuung bereit. Eltern aus sogenannten systemrelevanten Berufen können ihre Kinder in Notfällen in der Schule betreuen lassen.
Also alles bestens organisiert? Sicher. Alles wie es sein soll? Sicher nicht. Mathe- und Informatiklehrerin Silke Kirchhoff, die ihren Unterricht ganz ähnlich wie ihre Kollegen gestaltet, fragt dazu immer mal in der Schulcloud nach, „wie die Stimmung so ist“. Die Rückmeldungen sind beruhigend. Die Besorgnis, dass bei ihr selbst und ihren Schülern Langeweile aufkommen könnte, ist unbegründet. Aber eins fehlt ihr dann doch: lachende Schüler oder ein "Schönes Wochenende, Frau Kirchhoff !“

 
Michael Rausch



Veröffentlicht am:
30.03.2020