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RL Der Gefängnisseelsorger erzählt

Knastkarrieren:


Zwei Häftlinge auf acht Quadratmeter - das ist Realität.

Eine schreckliche Vorstellung, eingesperrt zu sein für Monate oder Jahre, nicht frei entscheiden zu können, wohin man geht und wen man trifft. Dabei gibt es eine Menge Menschen, denen es genau so ergeht. Vor knapp einem Jahr waren es genau 15.862, die in NRW-Haftanstalten einsaßen. Zum Thema "Strafen" hatte der 7er Jahrgang der AES mit Lehrer Steffen Pfannschmidt den Gefängnisseelsorger Michael Lucka eingeladen, aus seinem Berufsalltag zu berichten.


Joel zeigt ein Motorradmodell, das ein Häftling aus Alufolie hergestellt hat.

Lucka zeigt Bilder aus der JVA Krawehlstraße, beklemmende Bilder mit vergitterten Gängen, klinkenlosen Türen und 8-qm-Zellen, die oft mit zwei Häftlingen belegt sind. Für Schüler eine fremde Welt, weitab von ihrem Alltag. Aber die Neugierde ist da. Sie sind gut vorbereitet und befragen den Geistlichen nach allen Einzelheiten. Was für Straftäter betreuen Sie? "Das geht vom Schwarzfahrer über Betrüger und Drogenkriminelle bis zum Gewaltverbrecher." Lucka erzählt von seiner Schweigepflicht, von Männern, die in seiner Gruppe weinen, von Tagen, an denen Inhaftierte mit ihren Kindern basteln und von Situationen, die er als "mulmig" empfand. "Meine wichtigsten Werkzeuge sind meine Ohren", erklärt der psychologisch geschulte Geistliche, der auch viel mit Häftlingen musiziert. "Ich bin aber nicht immer nur nett." Besonders dann, wenn Sträflinge ihre Tat nicht annehmen und nicht zu ihr stehen wollen.

Der Seelsorger ist derjenige, der Verbindungen nach draußen ermöglichen kann. "Handys sind nämlich verboten." Hier staunen die Schüler. Das muss man sich mal vorstellen! Weiter geht's mit Fragen zum Tagesablauf, der ständig wechselt, nach misslungenen Fluchtversuchen, über die kein Insasse vorher spricht oder nach unschuldig Verurteilten, auch die wird es wohl geben: "Es gibt keine absolute Gerechtigkeit." Auf sein Verhältnis zur Todesstrafe angesprochen, ist Lucka rigoros: "Ich bin absolut dagegen. Hinter jeder Tat steckt eine Geschichte. Jeder hat eine Chance verdient. Außerdem schreckt die Todesstrafe nicht ab."


"Lasst die Finger von Drogen!"

Gibt es Freundschaften mit Häftlingen? Ja, die gibt es wohl, aber nicht während der Haft. "Ich habe heute noch gute Kontakte zu zwei Ehemaligen." Der Geistliche berichtet auch von Häftlingen, die in der Haft religiös werden. "Sie haben viel Zeit nachzudenken. Manchmal taufe ich auch jemanden." Das traurigste Kapitel ist die Frage nach dem Weg ins Gefängnis. "Die meisten im Gefängnis haben es sehr schwer gehabt. Es gibt Eltern, die sind einfach nicht da für ihre Kinder, deswegen gelangen sie früh auf die Straße, kommen mit Drogen in Kontakt, und die Karriere beginnt." Seinen Zuhörern gibt er mit: "Lasst die Finger weg von Drogen. Sie machen den Körper kaputt."

Michael Rausch



Veröffentlicht am:
18.04.2018