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Albert-Einstein-Realschule      Offener Ganztag - individuell gestaltet

RL "Die dunkle Seite der Displays"

Elternabend zu Cybermobbing

Die Kooperation funktioniert. Zwei Realschulen im Essener Süden, Albert Einstein und Elsa Brändström, bieten seit Jahren erfolgreich Fortbildungsabende für Eltern an, die aktuelle Themen aus den Bereichen Bildung und Erziehung behandeln. In diesem Herbst konnte als Referent in der Einstein-Aula Dr. Marco Fileccia gewonnen werden, Autor und Lehrer, Aktivist in Sachen digitale Medien in der Schule und Ausbilder von Schüler-Medien-Scouts.


Marco Fileccia: "Das wahre Ziel ist der respektvolle Umgang miteinander."

Fileccias Botschaft: "Sie müssen sich dafür interessieren, was Ihr Kind im Netz macht und erlebt. Lassen Sie sich nicht davon blenden, wie gut Ihre Kinder die Geräte bedienen können. Zur wahren Medienkompetenz gehört mehr."

Alle Eltern erinnern sich noch an Boris Beckers Internet-Anfänge in Deutschland: "Bin ich schon drin?" Als wär's gestern gewesen. Auch Kanzlerin Angela Merkel spricht noch von "neuen Medien". Wir alle sind in wenigen Jahren von einer medialen Welt überrannt worden, in der sich Kinder wie zu Hause fühlen, während manche Eltern und Lehrer noch eine skeptische Distanz wahren, verbunden mit Bedienungs- und Verständnisproblemen.

Und doch, auch wenn Erwachsene auf sogenannte "Digital Natives" (ab Geburtsjahrgang 1980) mit dem Smartphone nicht immer wirklich smart wirken, sie haben doch einen entscheidenden Vorsprung in Sachen Medienkompetenz: Die Fähigkeit zur Vorausschau und dem Erahnen der Folgen digitalen Handelns. Sie stellen sich Fragen wie "Wieso sind Social Media eigentlich kostenlos?" oder "Was macht diese ständige Erreichbarkeit eigentlich mit mir?". Und das, so Marco Fileccia, ist ein Hauptteil wirklicher Medienkompetenz.

Fileccia weiß bei aller Brisanz dem Thema immer noch unterhaltsame und informative Seiten abzugewinnen. Die Welt, in der Jugendliche groß werden, kennt er ziemlich genau. Er weiß, dass pro Minute weltweit 44 Millionen WhatsApp-Nachrichten versandt werden, pro Minute 300 Stunden Filmmaterial bei Youtube hochgeladen werden. Er weiß auch, diesen seltsamen Hang Jugendlicher zu erklären, sich fortwährend zu präsentieren: "Das Handy ist kein Telefon. Es ist ein Apparat der sozialen Interaktion und der Findung der persönlichen Identität. Das alles begriffen zu haben ist wichtig, wenn man Jugendliche verstehen will."

Dabei ist das Internet weder der vielbemühte Ponyhof noch ein geschützter Raum. Der Vergleich mit einem Piranha-Becken erscheint passender. Fileccia beschwört die Eltern: "Je jünger sie sind, um so mehr bedürfen Kinder unseres Schutzes. Es gibt ganz klar Dinge, die dürfen sie nicht sehen! Dieser Schutz wird abgelöst durch Hilfe zur eigenen Orientierung." Denn der Nutzer sogenannter "sozialer Medien" läuft Gefahr, Opfer von Mobbing zu werden. Fileccia: "Jeder kann Mobbingopfer werden. Das ist eine Entscheidung der Täter." Dabei ist Mobbing ein altes Phänomen, bei dem Gruppen eine von der Norm abweichende Person attackieren. Das Entsetzliche des Cybermobbing sind Geschwindigkeit und Menge der Verbreitung sowie die Fortdauer sämtlicher Postings, Selbstmorde verzweifelter Teenager sind das Ergebnis.

Was also tun? Fileccia: "Das wahre Ziel ist der respektvolle Umgang miteinander, nicht die Beherrschung der Technik." Ein Erziehungsziel, das so gar nicht ungewöhn-lich wirkt, in der Praxis aber offenbar aus dem Blick geraten kann. Konkrete Hinweise gibt Fileccia verständlicherweise nur in allgemeiner Form: Poste Negatives niemals in Gruppen, nur persönlich! Poste niemals etwas ohne Zustimmung des Betroffenen! Auch wenn etwas scheinbar lustig wirkt - es ist nicht lustig aus Sicht der Betroffenen. Poste es nicht! Die Polizei rät: Sofort anzeigen. Cybermobbing gar nicht erst entstehen lassen, beziehungsweise sofort beenden. Nicht warten. Erwachsene müssen schnell handeln. Schon Erich Kästner hat es auf den Punkt gebracht: An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.

Michael Rausch





Veröffentlicht am:
20.11.2017