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RL Keine Angst vor rosa Blusen

Girls' & Boys' Day


Esma beim Problemlösen mit der Kugelbahn.

Was hat eine selbst gebaute Kugelbahn mit Software zu tun? Esma nimmt an einem Software-Workshop eines internationalen IT-Unternehmens in Hattingen teil. Dabei müssen die Mädchen in Gruppen mit begrenzten Ressourcen eine gemeinsame Lösung für eine Aufgabe finden - ganz so, wie im Arbeitsalltag eines Informatikers. "Die Software-Branche boomt, wir suchen immer Mitarbeiter. Weibliche Praktikanten sind oft besonders pfiffig, aber leider ergreifen nur wenige Frauen einen Beruf in der Computerbranche", bedauert die Organisatorin des Girls' Day bei "Integration Matters".
Wieder einmal ist Girls' And Boys' Day, da versuchen Jungen und Mädchen für einen Tag die Rollen zu wechseln, in Branchen hinein zu schnuppern, die für gewöhnlich vom jeweils anderen Geschlecht bevorzugt werden. Der Boys' & Girls' Day soll helfen, Unterschiede in Zukunft immer mehr zu überwinden. So fühlt Tom sich sichtlich wohl in der Blumenpracht von "Ambiente". Seine Hauptaufgabe ist es gerade, dafür zu sorgen, dass die Schnittblumen frisch bleiben. Täglich müssen die Blumen frisch angeschnitten werden. Zuvor hat er bereits große Karren mit Pflanzen vor den Laden geschoben. "Obwohl viele Floristen weiblich sind, gibt es einige besonders erfolgreiche Männer", sagt die Chefin. Dieses Phänomen kennen wir aus vielen Branchen. Ob die Männer tatsächlich besser oder nur ehrgeiziger sind?


Bei Tom bleiben die Schnittblumen frisch.

Doch wo man hinhört, ist die Berufswahl der Männer allerdings stärker vom erwarteten Einkommen bestimmt. Friseurmeisterin Debby Heimann gibt unumwunden zu, dass die Verdienstaussichten und Aufstiegsmöglichkeiten in ihrer Branche Männer eher abschrecken: "Es wird doch erwartet, dass der Mann mit seinem Einkommen eine Familie ernähren kann." Kein Problem für Jannis, er muss noch keine Familie ernähren. Er fühlt sich im weiblichen Umfeld des "Barber Shop" fast wie zu Hause, weil er sich hier alle zwei Monate selbst stylen lässt. Zu seinem Trainingsprogramm gehören Föhnen, Haare waschen, Lockenwickler ausdrehen, Kunden empfangen, Garderobe abnehmen, Kaffee anbieten und Konversation machen. Aber auch Fegen ist keine Schikane, sondern Ausdruck hygienischer Sorgfalt. "Schließlich soll es für die Kunden so angenehm wie möglich sein." Jannis hat schnell gelernt.


Jannis: Streicheleinheiten fürs Haupthaar.

Emily hat heute extra alte Klamotten angezogen, denn bei Reifenservice Engelhardt gehören Ölflecken zum Alltag. Reifen hat sie schon gewechselt und beim Austausch einer Koppelstange assistiert. "Das macht richtig Spaß", sagt sie und findet es interessant, ein Auto mal von unten zu betrachten.


Emily betrachtet ein Auto von unten.

Auch Paula hat sich auf Öl und Ruß vorbereitet: Mamas alte Latzhose sitzt wie angegossen und schützt vor Dreck. Sie kommt zurecht in der Männerwelt der KFZ-Werkstatt Matysiak, findet aber die Arbeit an der Maschine "relativ" langweilig". Rad auflegen, Reifen von der Felge ziehen, neue aufziehen, auswuchten, es sind schon immer die gleichen Abläufe. Aber die Aussicht, dass sie die Arbeit nur für einen Tag machen soll, beruhigt. Ihr schwebt für die Zukunft ein "therapeutischer Beruf" vor, etwas mit Menschen.


Mamas Latzhose schützt Paula vor Dreck.

Mit Menschen arbeiten Maik und Nikolas im Kupferdreher Altenheim. Etwas schüchtern wirken sie beim UNO spielen mit Bewohnerinnen. Hier stehen regelmäßig Gesellschaftsspiele auf dem Programm. Besonders beliebt bei den Bewohnern ist das Spiel "Vertellekes", bei dem es um alte Redewendungen und Lieder geht.


Maik und Nikolas spielen UNO und "Vertellekes".

Das bringt bestimmt Glück für die nächsten Klassenarbeiten: Sannah verbringt ihren Girls' Day beim Schornsteinfeger. Vor allem Prüfungen von Heizungsanlagen stehen auf dem Programm. Am Nachmittag soll Sannah aber mit aufs Dach - auch wenn es für den Anfang ein Flachdach sein wird.


Sannah auf dem Weg zum Flachdach.

Das "große" Praktikum in der 9. Klasse möchte Sannah als Arzthelferin oder Erzieherin verbringen - womit sie dann doch wieder bei klassischen Frauenberufen wäre.

Beim Bleche reinigen in der Backstube der Wodantaler Landbäckerei treffen wir Justin an. Mit großer Sorgfalt schabt er Backreste von Brot- und Kuchenblechen. Vorher hat er Waffeln gebacken, Brötchen zum Backen vorbereitet und in den Ofen geschoben. Dass die Kerben in den Brötchen einen besonderen Namen hätten, hält er für ein Gerücht. Allerdings weiß er genau, wie sie gemacht werden: "Man schneidet mit einem Messer die Oberfläche ein und besprengt sie dann mit Wasser, damit die Kerbe schön auseinandergeht und knusprig wird." Dass die Backstube nun eine typische Frauendomäne sein soll, findet Justin nicht. Dann schon eher der Thekenverkauf, wo die Fachverkäuferinnen schalten und walten. Seine Mimik verrät, dass er seine Zukunft dort weniger sieht.


Für einen Tag in der Backstube zu Hause: Justin.

Seine Zukunft sieht Mohamad in der Welt der Kunst, sie fasziniert ihn. Er verbringt seinen Tag in der Werkstatt für Papierrestauration des Folkwang-Museums. Für seine heutige Chefin ist klar, dass das Ungleichgewicht der Geschlechter in ihrer Branche ausschließlich in der Bezahlung zu suchen ist. Aber das kümmert Mohamad nicht. Erst entwirft er unter Anwendung des Goldenen Schnitts (Achtung: Rechnen!) ein Passepartout, dann schneidet er es auf der Schneidemaschine. Er lernt den Unterschied zwischen Pappe und Karton, lernt, wie man Leim kocht aus Weizenstärke. Und er lernt Japanpapiere kennen. Nebenbei erfährt er eine Menge über den Museumsbetrieb von innen und Berufsweisheiten wie: "Passepartout macht Kunst im Nu." Dabei ist er Eifer und Aufmerksamkeit in Person. Man sieht, dass es ihm hier gut geht.


Souverän handhabt Mohamad die große Schneidemaschine.

Die Welt der Firma PSE besteht aus Metallen und Kunststoffen. Sie fertigt Schalt-schränke und Komponenten zur Strommessung. Mittendrin arbeitet Milla. Sie bestückt gerade Anschlüsse auf einer Schiene mit Kunststoffbuchstaben. Peinlich genaue Markierungen sind das A und O im Stromgeschäft. Das weiß jeder, der schon mal einen Kurzschluss erzeugt hat. Später soll Milla sich noch unter Aufsicht an Verdrahtungen wagen. Männerwelt hin oder her, sie fremdelt keineswegs und wird auch nicht anders behandelt als die Männer, versichert der Ausbilder. Ob allerdings ein einzelner Tag genügend Einblick bringt, wird hier bezweifelt. Milla jedenfalls hatte wohl nicht das große Aha-Erlebnis, sie möchte später "was mit Tieren" machen.


Milla und der Schaltschrank - Freunde für einen Tag.

Keine Angst vor rosa Blusen hat Lennard. Im "Lieblingsladen" hilft er Damenbekleidung auszupacken, aufzuhängen und Kartons zu entsorgen. "Zu einem Geschäft gehört viel mehr als nur der Verkauf", bestätigt die Ladeninhaberin. Lennard ist jedenfalls froh, dass er einiges tun kann. Da kommt keine Langeweile auf.


Lennard am Regal: "Mehr als nur Verkauf."

Naheliegend fand Marvin, sich seine ehemalige Grundschule für den Praktikumstag auszusuchen. Umgebung und Räumlichkeiten sind ihm bestens bekannt, seine kleine Schwester geht hier zur Schule, so kann er sich aufs Wesentliche konzentrieren: die Kinder. Er war als "Hilfslehrer" vormittags mit im Unterricht und im offenen Ganztagsbetrieb betreut er nachmittags die Kinder beim Spielen. Sie scheinen ihn als Autorität zu akzeptieren. Marvin: "Mit den Kindern gibt es kein Problem. Sie lassen sich von mir etwas sagen."


Marvin im offenen Ganztag und am Spielgerät.
Text und Bilder: Silke Kirchhoff und Michael Rausch



Veröffentlicht am:
03.05.2017