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AES Der Körper will neu bewohnt werden

Pubertät - Siebter gemeinsamer Elternabend von AES und Elsa Brändström

"Wegen Umbau vorübergehend geschlossen." Dieser Satz auf der Stirn von pubertierenden Jugendlichen würde einiges an ihrem Verhalten erklären. Eltern, Lehrer und andere Betroffene hätten dann zumindest einen Hinweis. Davon gab es jetzt reichlich durch Angela Felix, Leiterin der Familien- und Erziehungsberatungsstelle der Essener Caritas. Die AES und die Elsa-Brändström-Realschule hatten die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin zum siebten Eltern-Informationsabend eingeladen und knapp hundert Eltern waren erschienen, denn das Thema schreit nach Rat und Tat.

Zwar wird Pubertät mittlerweile zwischen zehn und dreißig Jahren verortet, inklusive Verfrühung und möglicher Verspätung, doch an diesem Abend geht es um die Zielgruppe der Sekundarstufe I. "Jugendliche können in dieser Zeit sehr gut sagen, was sie nicht mehr wollen, aber noch nicht, was sie wirklich wollen", so eine Beobachtung aus der Praxis der Therapeutin. Die Hirnforschung liefert die Begründung: Der Teil des Gehirns, der dafür zuständig wäre, ist noch gar nicht entwickelt, der kommt erst noch. Das führt zu schweren Spannungen beim Jugendlichen selbst und zu oft schwer erträglichem Verhalten für die Umgebung, denn "der Körper will neu bewohnt werden". Angela Felix räumt ein: "Es ist heute schwerer, erwachsen zu werden aufgrund globaler und kultureller Veränderungen."

Die Referentin geht auf Fragen aus der Elternschaft ein. Sie rät in manchen Fällen zur Gelassenheit, denn der Erfolg von Konfrontationen sei gering: "Überhören Sie auch mal eine blöde Bemerkung wie ‚entspann dich mal'." Die Heiterkeit im Saal verrät Expertentum - ja, so etwas kennen wir alle. Angela Felix: "Man muss nicht jeden Konflikt austragen, das eigene Wohlbefinden ist ein Gut. In diesem Fall kann ich mir denken ‚Selber doof'."

Sie setzt auf klare Absprachen, damit es eine Linie gibt, über die man sprechen kann. Apropos Linie: "Bitte keine Linien verwischen, die gegeben sind", rät Felix. Eltern seien Eltern und sollten auf keinen Fall versuchen, sich jugendlicher zu geben, als ihr Nachwuchs. "Verhalten Sie sich erwachsen, auch wenn Sie dafür Provokationen ernten." Denn eins ist klar - die Jugendlichen können nicht dafür, wenn Körper und Psyche verrückt spielen, das ist die Natur. Es ist aber trotzdem unerlässlich, sie in die Schranken zu weisen. "Eltern müssen gelegentlich hart sein", so das Credo der Therapeutin. Auch beim Thema "neue Medien", denn "Smartphones überfordern 5- bis 7-Klässler tendenziell. Das Netz bietet ein Zuviel an Informationen, deren Sinngehalt man kaum noch überprüfen kann."

"Seien Sie sicher", dieser Satz der Therapeutin hat etwas sehr Tröstliches, "Sie sind die innere Stimme ihrer Kinder. Denken Sie daran, dass die Grundlagen Ihrer Beziehungen lange vor der Pubertät entstanden sind." Und das bedeutet, dass Eltern, auch wenn Ihnen angesichts durchgedrehter Kinder Übles schwant, Vertrauen haben können. Die erwähnte Schließung ist tatsächlich nur vorübergehend und irgendwann wird alles gut. Schließlich waren auch alle Eltern mal Pubertierende.

Michael Rausch


Angela Felix, Leiterin der Caritas-Familien- und Erziehungsberatungsstelle, würzt ihren Vortrag mit Dutzenden Fallbeispielen aus ihrer Praxis vor interessierten Eltern im Musiksaal der Elsa-Brändström-Realschule.



Veröffentlicht am:
30.10.2016