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Wenn große Jungs kleine Jungs trösten

Rollentausch zum Girls' And Boys' Day


Der Traum vom perfekten Rasen. Nicht für Anna, sie arbeitet dafür, dass andere ihn träumen können.

Der gesamte parkähnliche Garten ist, soweit man blickt, mit repräsentativem Rasen bedeckt. Der gesamte Garten? Nein. Eine kleine Grassode liegt auf dem Rücken und streckt die Wurzeln zum Himmel. Daneben steht Anna, triumphierend mit der Schaufel in der Hand. Sie hat den Frevel begangen. Falsch, klärt Anna auf. Das ist kein Frevel, sondern Kosmetik. Stellenweise hat sich nämlich eine andere Grassorte mit gelblichen, breiteren Blättern eingeschlichen, und die gilt es auszumerzen. Ihr Chef, der Garten- und Landschaftsbauer Birger Bredenbrücher hat ihr den Auftrag erteilt. Später wird Anna noch in einem anderen Garten arbeiten, wo ihre Firma einen Teich mit Wasserfall anlegt. "Ich habe keine besonderen Vorkenntnisse, aber ich finde das für später ganz gut hier", meint Anna.


Simon lernt in Heisingen bei Optik Schwalen den Beruf des Optikers kennen und ist überrascht von dessen Vielfältigkeit. Unter anderem arbeitet er daran, ein Kunststoffteil genau passend für ein Brillengestell zu formen.

Wieder einmal ist Girls' And Boys' Day, da versuchen Jungen und Mädchen Rollen zu wechseln, in Branchen hinein zu schnuppern, die für gewöhnlich vom jeweils anderen Geschlecht bevorzugt werden. Und obwohl Anna heute die Frauenquote im Betrieb in die Höhe schnellen lässt, ist Garten- und Landschaftsbau immer noch eine Männerdomäne. Der Chef hätte nichts dagegen, wenn das anders wäre: "Männer und Frauen ergänzen sich in diesem Beruf perfekt, da sie unterschiedliche Schwerpunkte haben." Wie im richtigen Leben!


Christopher hat den Dreh raus.


Iso arbeitet am Boys' Day im Heisinger Salon Anja, der ihn freundlicherweise kurzfristig noch angenommen hat. Dies haben die Profis nicht zu bereuen, denn Iso zeigt sich richtig talentiert als Hair Stylist. Wie seine "Kollegin" bestätigt, wickelt er höchst professionell kleine Lockenwickler in die Haare der Übungspuppe. Iso fühlt sich in der Branche sichtlich wohl.


"Beauty & Style" heißt der Friseursalon, mit dem Leon für einen Tag die Schulbank vertauscht hat. Seine Stärken liegen aber laut Potentialanalyse im technischen Bereich und auch Leon sieht sich beruflich eher im Handwerk.

Christophers Tag beginnt mit Handtücher falten und fegen. Dann lernt er "umlegen". Seine Chefin Christine Krümmel vom Friseursalon Stop + Cut lächelt: "Das klingt etwas irreführend. Gemeint ist, dass Hals und Dekolleté mit Tüchern umlegt wird." Und auch das Servieren eines Tässchens Kaffee will gekonnt sein. Denn zum Service gehört auch zu wissen, dass der Kaffee mit Untertasse und Plätzchen serviert wird, und das soll nicht im "Fußbad" ertrinken. Dann wird's schwierig. An einem Kunstkopf mit Naturhaar übt Christopher Lockenwickler eindrehen. Mit der Kammspitze nimmt er einzelne Strähnen und dreht sie ein. Dabei entwickelt er ein Gefühl fürs Abteilen, dass die Strähnenhaare eine Linie bilden. Christopher, modisch mit seinem Undercut selbst voll auf der Höhe, erledigt seine Arbeit mit Ruhe und Gleichmut und gesteht: "Es macht schon Spaß."


Madina hat bei Autoteile Augat Werkzeuge und Reifen fest im Griff. Angst, sich schmutzig zu machen? Überhaupt nicht! Nicht für ihre berufliche Zukunft, aber für einen Tag findet sie die Arbeit in einem KFZ-Betrieb sehr spannend.


Laureen erhält einen Einblick in die Metallindustrie. Ihr Girls' Day bei "Stehling Stanztechnik" in Velbert ist von großen und lauten Maschinen bestimmt, mit denen von Unterlegscheiben über Kleinteile für die Auto- und Staplerproduktion bis hin zu komplexen Bauteilen für die Textilindustrie viele verschieden Metallteile gefertigt werden. Laureen ist technisch interessiert und kann sich durchaus vorstellen, später eine Lehre in der Industrie zu machen.


Alles muss raus? Bloß nicht, nur die Kupplung. Romy und Laura wissen das. Eine leuchtet, die andere schraubt.

AMS verkauft und repariert Autos. Heute sind Romy und Laura mit dabei. Als sie die Kamera sehen, drängt sich ihnen die besorgte Frage auf: "Kommen unsere Schuhe mit aufs Foto?" Die etwas klobigen Sicherheitsschuhe machen nämlich alles andere als einen schlanken Fuß. Also beschränken wir uns auf die Hände, aber auch die stecken in Arbeitshandschuhen. Reifenwechsel und Reifenbezeichnungen haben sie bereits gelernt. Reifenbreite, Profilquerschnitt und Felgendurchmesser unterscheiden sie locker. Und die Kollegen? "Mit denen klappt es sehr gut." Man benimmt sich offenbar, nicht nur, wenn Damen im Haus sind. Gerade assistieren die Schülerinnen ihrem Betreuer Soner Demirci beim Ausbau einer defekten Kupplung. Was hält der von Frauen im Betrieb? "Warum denn nicht? Meine Frau studiert, aber wenn ich zu Hause mal etwas schraube, schraubt sie mit." Das klingt nach vollem Vertrauen und Gleichberechtigung. Gleich ist Pause für alle, egal ob Männlein oder Weiblein. Danach warten noch Karosseriearbeiten und Elektrik auf die Mädchen.


Tom und Bastians Geduld wird in der Kinderarche in Burgaltendorf auf die Probe gestellt. Ständig haben sie eine Traube kleiner Jungs um sich, die begeistert sind, auch mal männliche Gesichter im Kindergarten zu sehen. Da das Wetter mitspielt, steht das Programm fest: Stundenlang müssen die beiden auf dem großen Außengelände mit ihren kleinen Fans Fußball spielen.


So kleine Jacken haben Tom auch mal gepasst. Ist schon einige Zeit her, aber er erinnert sich noch gut an seine Kindergartenzeit.

Tom hat ein Déja-Vu-Erlebnis: "Das hier kenn ich alles, hab ich alles schon gesehen." Allerdings aus einer Augenhöhe, die gut einen Meter niedriger war als heute. Seine Wahl fiel für diesen Tag auf seinen früheren Kindergarten. "Ich glaube, ich kann gut mit Kindern umgehen." Als Beweis führt er sein prima Verhältnis zu seinem Neffen an. Und während er noch am Frühstücksobst für 16 Kinder zwischen drei und fünf Jahren schnippelt, trudeln die Kinder nach und nach ein. Gleitzeit - gibt's an der Schule leider nicht. Ein kleiner Junge weint, weil Mama gegangen ist. Tom tröstet ihn und bald sind die Tränen getrocknet. Er kann's wirklich! Die Kinder greifen zum Frühstücksobst und finden sich zum Morgenkreis ein. Tom sitzt auf seinem Stühlchen und sorgt für Ruhe. Beim Morgengebet, wir sind hier bei Sankt Maria Königin, dudelt ein Spielzeug leise vor sich hin, ein Kind hat wohl versehentlich drauf gedrückt. Tom bleibt völlig ungerührt und gleich danach geht's vor die Tür: Heute ist Raus-aus-dem Haus-Tag. Da werden all die kleinen Anoraks und Regenjäckchen angezogen und die Gebüsche am nah gelegenen Bach erkundet. Tom ist mittendrin, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Man merkt, das könnte einmal seine Berufswelt werden.


Phillip versorgt die Kunden mit frischem Brot und leckeren Brötchen in der Bäckerei Woop. Er kennt den elterlichen Betrieb und hat auch schon öfter in der Backstube geholfen, aber der Verkauf ist eine neue Erfahrung für ihn.


Regalpflege für Ceyda. Eine Tankstelle ist ein kompletter Kiosk, den es zu betreiben gilt.

Ceyda hat sich eine Tankstelle mit Reparaturbetrieb in Rellinghausen ausgesucht. Dabei muss sie erfahren, dass eine solche Tankstelle heutzutage mehr ist als die Versorgung mit Benzin und Schmierstoffen. Tankstellen haben sich nämlich längst zu ausgewachsenen Kiosken, wenn nicht Geschäften entwickelt. Ceyda weiß, dass von Zeitschriften über Süßigkeiten und Getränke bis hin zum Snack alles angeboten wird. Und darin besteht ein Hauptteil ihrer Arbeit: "Regalpflege. Das war jetzt nicht so spannend, aber später durfte ich noch mit in die Werkstatt. Das hat mir viel Spaß gemacht."


Laura und Selin trauten sich in eine der letzten echten Männerdomänen: Sie erprobten sich als Pizzabäcker. Bei Nuova Napoli in Heisingen erfuhren die beiden nicht nur, wie eine echte italienische Pizza entsteht, sondern sie bekamen direkt noch eine Einführung in die Grundlagen der Gastronomie. Ihre Lehrerin, Frau Kirchhoff, hat die von Selin und Laura selbst hergestellte Pizza gleich zusammen mit ihrer Familie probiert: Sie hat super geschmeckt!

Text und Bilder: Silke Kirchhoff und Michael Rausch



Veröffentlicht am:
02.05.2016