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Der Richter und seine Schüler

AES-Schlichter lernen bei echtem Profi

"Vor dem Richter und auf hoher See sind wir in Gottes Hand", sagt eine alte Juristenweisheit. Sie will sagen, dass Richterentscheide keine Naturgesetze sind, sondern individuell nach Recht, Gesetz und Gewissen gefällt wurden. Dass sie dennoch keine reinen Willkürentscheidungen sind, erklärt Andreas Labentz, Vorsitzender Richter der Essener Strafkammer den Schülern der AES-Rechtskunde AG.


Andreas Labentz, Vorsitzender Richter der Essener Strafkammer mit den Schülern der AES-Rechtskunde AG.

Im Rahmen der Schlichter-AG konnten die 9er und 10er Schüler von den über 25jährigen Erfahrungen des Experten profitieren. So lernten sie unter anderem den Unterschied zwischen öffentlichem und Privatrecht kennen, diskutierten Themen aus ihrem eigenen Erfahrungsbereich und erwarben elementare Kenntnisse unserer Rechtsordnung.

Gibt es in seinem Beruf so etwas wie Routine, darf es sie überhaupt geben? "Routine ist in vielen Dingen sehr hilfreich", bekennt der Jurist. Allerdings nur in Bezug auf Verfahrens- und Vorgehensweisen. Ansonsten seien die Fälle, die zur Verhandlung kommen "Geschichten, die das Leben schreibt, immer sehr unterschiedlich."

Sehr wichtig sei immer die Vorgeschichte, die es mit viel psychologischem Einfühlungs-vermögen herauszuschälen gelte. Die wenigste Zeit verbringt der Richter bei einem Fall im Saal. Wer hätte das gedacht? Nur 20 bis 25 Prozent nimmt die Verhandlung in Anspruch. "Der Rest ist Vorbereitung. Ich muss sehr viele Akten lesen und mir die Einzelheiten aneignen, um die Verhandlung führen zu können", erklärt Labentz. "Oft mache ich mir auch erst ein Bild anhand von Tatortfotos oder bei einem Ortstermin."

An einem Vormittag konnten die Schüler der AG den Richter als Vorsitzenden bei einer Strafsache erleben, einem sehr bedrückenden Fall eines jungen Mannes, der einen Säugling getötet hatte, um ungestört sein Computerspiel fortsetzen zu können. Die Besucher waren sehr beeindruckt von der ruhigen aber souveränen Art, die Verhandlung zu führen. Während er mit den Schülern das Prinzip der Revision diskutiert, schildert Maja ihre Eindrücke des Verfahrens. "Wie nah das Grauen da an das Normale herankommt..." Die Schülerin wirkt sehr nachdenklich. Eigentlich habe der Angeklagte normal gewirkt, "aber irgendwie merkwürdig war er schon". Man hat eine Meinung, die Frage der Schuld kann aber nur der Richter beantworten.


Darauf können sie stolz sein: Das Zertifikat vom Essener Landgericht.

Diese 10 Doppelstunden wurden jetzt durch ein Zertifikat des Landgerichts dokumentiert. Auch auf dem Zeugnis werden sie vermerkt werden. Im kommenden Halbjahr werden die Teilnehmer dann selbst zu Richtern, oder besser: Schlichtern, die zwischen streitenden Mitschülern vermitteln und die Vernunft zu ihrem Recht kommen lassen. Keine leichte Aufgabe!
Michael Rausch



Veröffentlicht am:
06.01.2015