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Aus dem Tagebuch eines Lehrers

Es gibt sie noch, die guten Momente

Stille im Kunstraum. Stille? Na ja, relative Stille, eher dezentes Gemurmel. Der Achter-Kurs arbeitet sich mehr oder weniger engagiert durch eine gestalterische Aufgabe. Da klopft es an der Tür.

Freudig erregt treten vier Schüler ein, die erst vor wenigen Monaten in unserer Aula ihr Abschlusszeugnis in Empfang genommen und die AES verlassen haben. Die drei Mädchen und ein Junge sehen gut aus und sind bester Laune. Ich versuche einen müden Scherz über Täter, die es immer wieder zum Tatort zieht, sie lächeln pflichtschuldig. Und dann erzählen sie. Erzählen von ihrer neuen Schule, einem Berufskolleg, wo einiges anders läuft als hier, wo der Wind deutlich rauer weht.

All das beeindruckt sie nicht im Mindesten. Ihre Leistungen seien die besten der gesamten Klasse. Die Vier in Englisch oder Mathe sei nun zu einer Zwei geworden, viele Themen seien ihnen bereits bekannt und es falle ihnen nicht schwer, mitzuhalten und gute Leistungen zu bringen. Den Achtern halten sie eine Kurzpredigt über Arbeitsverhalten, Einsatzwillen und viele Dinge, die sie an ihrer Schule schätzen sollten. Die Achter gucken ungläubig und machen große Augen.

Ja, aber dann haben wir hier ja einiges richtig gemacht!? Übereinstimmendes Nicken. Und was? Die Antwort lässt mir fast die Ohrmuscheln verdorren: "Sie waren streng und haben Druck gemacht!" Habe ich mich verhört? Träume ich?

Vor meinem inneren Auge steigen Bilder aus der Vergangenheit auf: Da beugen sich ächzend zahllose Schülerjahrgänge unter meiner gnadenlos geschwungenen Knute, Jugendliche, die mich weit weg wünschen, zum Beispiel auf den Mars, Kinder, auf deren Stirn die Wut geschrieben steht über den Raub ihrer kostbaren Freizeit. Und da stehen sie nun vor mir, diese ehemals zarten und zerbrechlichen Seelchen und sind stolz wie Oskar auf ihren Status, ihre ehemalige Schule und auf ihre Lehrer, die sich das Eiapopeia verkniffen haben, weil sie glaubten, das führe zu nichts.

Bevor mich die Rührung übermannt, wünsche ich den Ehemaligen alles Gute und komplimentiere sie hinaus. Abends heule ich vor Glück in mein Kissen. Es gibt sie noch, die guten Momente.

Michael Rausch



Veröffentlicht am:
03.11.2014