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Albert-Einstein-Realschule      Offener Ganztag - individuell gestaltet

Schlag das Web mit dem Web

Das Phänomen Cybermobbing


Frank Langer hält Stillhalten für die beste Waffe.

Das Eingangsbild machte es sinnfällig: Die Entwicklung vom gebeugten Primaten zum aufrechten Homo sapiens und wieder zurück zum Bildschirm-Nerd mit krummem Rücken. Eine Karikatur, die die Medienwirklichkeit für viele Menschen darstellt, je jünger, desto wirklicher. Referent Frank Langer vom Drogenhilfe-Zentrum, nach eigenem Bekunden noch mit schwarzweiß Fernsehen und Büchern sozialisiert, nahm's mit einer Prise Selbstironie, als er vor Eltern von Albert-Einstein- und Elsa-Brändström-Realschülern zum ernsten Thema "Cybermobbing" referierte. Seit Jahren kooperieren die beiden Schulen bei regelmäßigen Abendveranstaltungen zu aktuellen erziehe-rischen Fragen.

Die Netzwirklichkeit hat längst eine eigene Sprache entwickelt, es wimmelt von Anglizismen, wie dem Thema selbst. So hat jeder Bundesbürger mehr als ein "Smartphone" voll von "Apps", gelten vor 1980 Geborene eher als "Digital Immigrants" ("Zuwanderer"), alle danach als Digital Natives" ("Eingeborene"). "Ich sehe und schätze die Chancen und Möglichkeiten der virtuellen Welt sehr wohl", beteuert Langer. Doch die negativen Auswüchse wie "Cyber Mobbing" sind nicht mehr zu übersehen und fordern Eltern und Erzieher zum Handeln auf.

32 Prozent der befragten Jugendlichen waren bei einer Umfrage unter den Betroffenen. Die Zahl dürfte mittlerweile höher sein, Entwicklungen verlaufen rasend schnell. Klar ist allerdings, dass das Phänomen Mobbing so neu nicht ist. Auch früher gab es Beleidigungen und üble Nachrede. Neu ist, dass Täter sich in trügerischer Anonymität wähnen und das Ganze vor  großem Publikum rund um die Uhr geschieht. Was hat der Täter davon? Meist sind es ausgelebter Neid und Rache und der Wunsch, Macht auszuüben, zu dominieren.

Schnell ist in den meisten Fällen klar, wer dahintersteckt, ob im Netz oder per Handy: Täter und Opfer kennen sich aus dem näheren Umfeld. Was kann man als Opfer konkret tun? Langer rät: "Ignorieren. Wer keine Resonanz bekommt, verliert das Interesse." Falls das nicht hilft, ist es wichtig, dass sich betroffene Kinder ihren Eltern öffnen. Die müssen nun tätig werden, das Selbstwertgefühl ihres Kindes stärken, Eltern der Täter ansprechen, die Schule einschalten, die Polizei einschalten. Allesamt abgestufte Maßnahmen, die zum Erfolg führen. Frank Langer: "Entschlossenheit hilft."

Sein Credo: "Eltern setzen die Grenzen, sie haben die Pflicht, die Planken links und rechts der Fahrbahn aufzustellen." Und: "Ein gutes Selbstbewusstsein hilft, sich zur Wehr zu setzen." Und das sollte zunächst in Ignorieren der Gemeinheiten bestehen. Einfach nicht reagieren, die Privatsphäre schützen. Die Schule kann ein Weiteres tun: Sie kann helfen, die häufig anzutreffende Ahnungslosigkeit zu bekämpfen und Wissen zu schaffen, einen Web-Verhaltenskodex aufzustellen, Anti-Mobbing-Beauftragte einzusetzen dund Schüler selbst zu Cyber-Scouts auszubilden. Frank Langer: "Schlag das Web mit dem Web!"

Michael Rausch



Veröffentlicht am:
03.11.2014