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Immer mehr Realschüler in Essen wollen das Abitur machen

Immer mehr Realschüler in Essen wollen das Abitur machen
Essen vom 21.07.2013 von Clemens Boisseree


Umleitung möglich: 250 Seiteneinsteiger schafften vergangenes Jahr ihr Abitur.

Viele Wege führen zur Hochschulreife: Hunderte Realschüler wechseln nach den Ferien in die Oberstufe. Auch wenn Gymnasien immer noch die beliebteste Anlaufstelle in Essen sind, vermelden gerade die Gesamtschulen immer mehr Seiteneinsteiger. Kaum mehr als 200 Schüler wechselten 2012 sofort nach der „Mittleren Reife“ in den Beruf.

„Realschule in Nordrhein-Westfalen – Chancen für Viele“, versucht das Land jene Schulform zu profilieren, bei der nach sechs Jahren Schluss ist mit der Schulkarriere – oder eben auch nicht. 349 von rund 1200 Realschul-Absolventen wechselten vergangenen Sommer nach der zehnten Klasse in die gymnasiale Oberstufe. Einige mehr hätten es sein können, sagt Bernhard Aust, Sprecher der Essener Realschulen: „Im Durchschnitt schaffen 35 Prozent aller Absolventen die Qualifikation .“ Dafür müssen die Schüler mit einem „befriedigenden“ Notendurchschnitt abschließen und die zentralen Abschlussprüfungen bestehen.

Moritz Riemenschneider aus Überruhr hat es geschafft. Anfang Juli stellte ihm die Franz-Dinnendahl-Realschule die Bescheinigung aus: Fachoberschulreife mit Qualifikation. Zum September wechselt der Hobby-Musiker nun auf die Gesamtschule Süd. „Abitur“, sagt Riemenschneider, „habe ich immer machen wollen, eine Alternative gab es nicht.“ Auch keine Ausbildung? „Da hätte ich gar nicht gewusst, was ich da machen soll.“ Der 17-Jährige ist beispielhaft für viele Abgänger nach der zehnten Klasse. 2012 wechselten kaum mehr als 200 Schüler sofort nach der „Mittleren Reife“ in den Beruf.

„Die Schüler realisieren: Wenn ich auf der Realschule ein guter Schüler war, kann ich auch das Abitur schaffen“, meint Ulrike Liebenau, Schulleiterin der Albert-Einstein Realschule . Dort wechseln zum kommenden September 45 der 108 Absolventen in die Oberstufe, weitere 46 gehen aufs Berufskolleg. „Der Vorteil für viele Schüler am Kolleg ist, dass alle bei null Anfangen und man eine berufliche Richtung einschlagen kann“, beschreibt Liebenau die Alternative.

Für den Weg durch die Oberstufe eines Gymnasiums gebe sie ihren Schülern hingegeben zwei Tipps mit: „Ellenbogen raus und volle Leistungsbereitschaft.“ Realschüler müssen seit der Umstellung auf das Abitur in acht Jahren (G8) am Gymnasium die zehnte Klasse wiederholen, das Lerntempo ist deutlich höher und: „Die individuelle Förderung fällt weitestgehend weg, die Schüler sind auf sich gestellt“, so Liebenau.

Dennoch bleibt das Gymnasium die bevorzugte Schulform für die Oberstufe, 191 Realschüler wechselten 2012 an einen der 17 städtischen Standorte. Allerdings: Fast jeder vierte davon wechselt auf das Aufbaugymnasium, die Unesco-Schule . Dort behält man in der Elf den Klassenverbund bei. „Wir steigen dabei siebenzügig ein, vier Klassen werden komplett durch Realschüler gestellt“, erklärt Schulleiter Norbert Kleine-Möllhoff. In dieser Einführungsphase könne man die Schüler so am einfachsten an das gymnasiale Niveau heranführen. „Die Lehrer müssen sich in dieser Phase darauf einstellen, dass sie Schüler haben, die das schnelle Lernen am Gymnasium nicht kennen“, meint Kleine-Möllhoff. Das Einführungsjahr sei daher „unverzichtbar“. Letztlich führt die Unesco-Schule auf diesem Weg 60 Prozent aller Seiteneinsteiger zum Abitur – das ist etwa der stadtweite Durchschnitt.

Für Moritz Riemenschneider sind jedoch weder das Gymnasium, das er schon einmal nach der sechste Klasse verlassen hatte, noch das Berufskolleg eine Wahl. „Freunde saßen mit 22, 23-Jährigen in einer Klasse und haben da keine guten Erfahrungen gemacht. Der Altersunterschied an den Kollegs schreckt schon ab“, erzählt der 17-Jährige. Also die Gesamtschule, die immer beliebtere Wahl.

„Die Anfragen haben sich seit 2007 verstärkt“, sagt der Schulleiter der Frida-Levy Gesamtschule, Berthold Kuhl. Der Grund für den Anstieg von knapp 100 Wechslern im Jahr 2006 auf mittlerweile über 160 Neuzugänge: 2007 wurde in NRW das Zentralabitur eingeführt, „das abfällige Gerede vom Gesamtschul-Abitur ist seither vom Tisch“, weiß Kuhl. An der Frida-Levy kann er mittlerweile nicht mal mehr alle externen Anmeldungen für die Oberstufe annehmen, 18 von 51 qualifizierten Schülern musste die Schule absagen. Die, die angenommen werden, schaffen meist auch den Abschluss, 20 von 21 Ex-Realschülern machten dieses Jahr ihr Abitur.

Ab September möchte nun auch Moritz Riemenschneider die Umleitung von der Realschule Richtung Abitur nehmen. Wie sein Bruder, der ebenfalls an die Gesamtschule Süd wechselte und 2011 als einer von 250 Seiteneinsteigern sein Abi schaffte.



Veröffentlicht am:
21.07.2013