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Praktikum in der Türkei

Die Oschatz Enerji A.S., Tochtergesellschaft der Oschatz GmbH in Essen, hat Ihren Sitz in der Freihandelszone der Region Kocaeli, 120 Kilometer von Istanbul entfernt. Die Oschatz-Tochter wurde 1997 gegründet. Produziert wird seit Juni 2011. Hergestellt – und weltweit exportiert – werden Kessel und Abhitze-Systeme für die Industrie in modernen, vollautomatisierten 10.000 qm großen Fertigungsanlagen. Die  Grund-stücksgröße, mit direktem Zugang zum Mamarar-Meer, beträgt 60.000 qm, so dass eine Anpassung der Produktionsfläche in Zukunft möglich ist. In vier Hallen arbeiten zur Zeit etwa 450 Mitarbeiter. Gesteuert und überwacht wird die Produktion von der Verwaltung auf dem Gelände mit insgesamt 60 Mitarbeitern. Die Aufträge kommen von direkt von der Mutter in Essen. Die deutsche Mutter, die Oschatz GmbH, mit Sitz in Essen (seit 1951) beschäftigt zur Zeit rund 1.400 Mitarbeiter in elf  Tochterunternehmen und in zahlreichen Vertretungen auf der ganzen Welt. Das 1849 (als Fabrik für Brauereibehälter) gegründete Unternehmen ist führend in der Eisen- und Stahl-Metallurgie, Nichteisen-Metallurgie, Chemie- und Kraftwerkstechnik. Produziert wird an den Standorten Türkei und China. Die Qualität der Produkte und Dienstleistungen (Service weltweit) orientiert sich an den Bedürfnissen und Anfor-derungen der Kunden. Höchste Qualität und Umweltschutz haben Priorität. Unter-nehmenssprache ist Englisch. Das Unternehmen unterstützt Kinder, Kultur und Sport. Es bietet Kindern und Jugendlichen im Rahmen der Essener "Kids Days" regelmäßig Einblicke in die Arbeitswelt, finanziert Konzerte auf dem Weltkulturerbe Zollverein und tritt als Sponsor des Motorrad-Teams "Ropa-Racing" auf.

Die Oschatz Enerji A.S. war das dritte Unternehmen, das ich als Schüler bisher kennenlernen konnte. Zuvor habe ich in regelmäßigen Abständen Einblick in das Messebauunternehmen meines Vaters, der Firma Scheiff Consulting, gehabt, und beim Aufbau in deutschen und internationalen Messeplätzen für Kunden wie BYK-Chemie ADAC und PHIndustrie mithelfen können. Darüber hinaus habe ich 2013 ein dreiwöchiges Schüler-Praktikum bei der Stadtsparkasse Essen absolviert.

Das Praktikum in der Türkei war meine erste Auslandreise ohne Begleitung – und schon deshalb eine spannende Zeit. Die Türkei hatte ich vorher nur als Urlaubsort kennen gelernt.

Der Aufenthalt in der Gastfamilie, die regelmäßige Arbeit in einer türkischen Firma und die fremde Kultur des Landes, waren Themen, die mich deshalb schon Wochen vor dem Antritt der Reise beschäftigten. Hilfreich bei der Suche nach Informationen waren das Internet und Gespräche mit Freunden, die über Auslandserfahrung verfügen.

Herr Kaya, mein Gastgeber, ist Maintrance Manager der Oschatz Enerji A.S. Er ist 35
Jahre alt, verheiratet, und hat eine 19 Monate alte Tochter. Die Familie lebt in einer
schönen 4- Zimmer-Wohnung mit Küche, Diele, Bad, Schlafzimmer und dem Gästezimmer, in dem ich untergebracht war. Herr Kaya spricht türkisch und englisch, seine Frau türkisch. Die Fahrzeit zur Firma mit dem Firmenwagen beträgt etwa 30 Minuten. Herr Kaya hat als Maintrance Manager weitgehende Rechte und Befugnisse. Er berichtet direkt an den Leiter der Fertigung, Herrn Wolfgang Schaller.

Der Lebensstandard der Familie ist vergleichbar mit dem dem Lebensstandard einer
deutschen Mittelschicht-Familie, soweit ich das beurteilen kann. Der Arbeitstag beginnt um 8.00 Uhr und endet – unterbrochen von einer einstündigen Mittagspause (12 bis 13 Uhr) um 17.30 Uhr. Obwohl die 5-Tagewoche gilt, arbeiten die Mitarbeiter der Verwaltung auch samstags. Anders als in Deutschland sind die Mahlzeiten in der Kantine kostenlos – und sehr lecker.

Mein Arbeitsplatz befand sich in einem Großraumbüro. Der abgeteilte Bereich hat vier
Schreibtische – und alle üblichen Kommunikations-Werkzeuge: Telefon, PC mit Internetanschluss, Fax, Kopierer. Gearbeitet wird mit Word und Excel – Programme, die mir vertraut sind. Der Umgangston war ausgesprochen freundlich, ein kultureller Unterschied zur deutschen Arbeitswelt war nicht auszumachen. Die sechs weiblichen Mitarbeiter tragen, das fiel mir auf, kein Kopftuch. Etwa 90 Prozent der kaufmännisch tätigen Mitarbeiter sprechen englisch, verständigen sich bei der Arbeit aber türkisch. Der englisch sprechende Teil der gewerblichen Mitarbeiter ist deutlich niedriger.

Das Unternehmen bietet den Mitarbeitern internen Englisch-Unterricht an vier Tagen in der Woche, an dem ich während meines Aufenthaltes teilnehmen konnte. Der Unterricht (während der Arbeitszeit) dauerte jeweils 60 - 90 Minuten. Der Schwierigkeitsgrad lag unter meinen inzwischen erworbenen Kenntnissen.

Meine Tätigkeit bestand zunächst darin, das Unternehmen und seine Produkte kennenzulernen und den Sinn der einzelnen Produktionsschritte zu verstehen. Hierbei war die umfangreiche Webseite des Unternehmens mit allen relevanten Informationen zur Unternehmenskultur, zu den Produkten, die Presseinfos und die veröffentlichten Stellenanzeigen hilfreich. Ebenso die Hilfe der Mitarbeiter, die auf meine Fragen, soweit das möglich war, antworteten. Die eigentliche Arbeit beschränkte sich naturgemäss auf einfache, aber interessante Zuarbeit, wie das Verfassen von Excel-Listen, Recherchen im Internet, Übersetzung von Stücklisten, die aus Deutschland kamen (deutsch / englisch), Ablage und andere „leichte“ Arbeiten, die zum Tagesgeschäft der anderen Mitarbeiter passten.

Meine Freizeit orientierte sich am Familienleben der Gastfamilie, mit der ich gemeinsam das „Alltagsleben“ der Familie teilte. Wir unternahmen Ausflüge in die Berge, besuchten ein Einkaufszentrum in Izmit, nahmen die Mahlzeiten gemeinsam ein – und besuchten eine Hochzeit. Obwohl standesamtlich geheiratet wurde, nahmen etwa 80 Menschen an dieser Hochzeit teil. Ein Fest, das mit ähnlichen Veranstaltungen in Deutschland nicht zu vergleichen ist. Wie wichtig Feste mit der Familie und Freunden sind, zeigte der überraschende Besuch des Vorjahrs-Praktikanten, Leonhard Kulpe, der eigens für die Hochzeit aus Deutschland angereist war. Der Besuch zeigt auch, dass ein Praktikum im Ausland ganz neue Freundschaften entwickeln lässt, die weit über „Urlaubsbekanntschaften“ hinaus gehen und nachhaltig sind (ich werde versuchen den Kontakt zur Gastfamilie und einigen „Kollegen“ aufrecht zu erhalten).

Eigene Ausflüge, zum Beispiel nach Istanbul Mitte mit einem Arbeitskollegen – ohne
Gastfamilie – waren aus Versicherungs-Gründen nicht möglich, was sehr schade war. Hier ist für meinen Nachfolger 2014 sicher eine Regelung (Abschluss einer Versicherung) wünschenswert und machbar.

Jetzt nach dem Praktikum kann ich mir vorstellen, dass ich später eventuell für einige Zeit im Ausland arbeiten möchte, wenn mir ein Unternehmen die Gelegenheit bietet. Ob das die Türkei oder ein anderes europäisches Land ist, oder besser ein Land in dem vorwiegend englisch gesprochen wird, sei dahingestellt. Erfahren habe ich, dass die Tätigkeit in einem international ausgerichtetem Unternehmen eine gute, spannende Wahl gerade für junge Menschen ohne eigene Familie ist. Ich habe interessante Menschen kennengelernt, mit denen ich weiterhin Kontakt haben möchte. Die gemachte Erfahrung werde ich vermutlich nie vergessen.

Das Fotografieren in der Produktion war strengstens untersagt. Ich habe deshalb einige Fotos zusammengestellt, die einen kleinen Überblick über meine Zeit in der Türkei erlauben. Arbeitskollegen habe ich mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte
der Personen nicht fotografiert. Ich wollte mich nicht aufdrängen ...

Niklas Scheiff

Fertigungshallen
Blick aus dem Garten bei der Gastfamilie
 

Flughafen Istanbul-Sabiha Gölcen
Auf dem Firmengelände

Modernes ...

...und traditionelles Stadtbild




Veröffentlicht am:
04.06.2013