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Girls' And Boys' Day

Was den Mädchen der Girls' Day ist den Jungs der Boys' Day. Praktischerweise fallen beide Tage zusammen und so bleibt man denn unter sich. So soll es sein, denn die Jugendlichen können in die Berufe hineinschnuppern, die (noch) typisch sind für das jeweils andere Geschlecht. Profitieren dürfen davon alle, auch die Arbeitgeber. Für Jugendliche bedeutet es, neue Seiten an sich zu entdecken, abseits vom Kfz-Schrauber- und Kosmetik-Klischee.


Beeindruckende Maschinenwelt: Sina und die programmgesteuerte Drehmaschine.

Sina hat es ein wenig die Sprache verschlagen. Aber selbst wenn sie redet, ist sie schwer zu verstehen, so geräuschvoll geht es bei ihrem Arbeitgeber zu, Kunststofftechnik Woyciniuk. Dabei ist die Tätigkeit sehr anspruchsvoll. Für die Drehmaschine gilt es, die Steuerprogramme anzupassen, den gedrehten Nutring nachzumessen, wieder das Programm zu ändern, bis das Ergebnis perfekt ist. Sina ist beeindruckt von ihrem Arbeitsplatz in dieser Männerwelt. Ihr Betreuer Ralf Erdmann weiß, dass es mal eine Kollegin gegeben hat, die aber wegen Rückenproblemen aufgeben musste. Die allerdings würde ein Mann wohl auch bekommen. Denn ob an der Drehmaschine oder woanders, es ist eine stehende Tätigkeit. Sina weiß jetzt schon: Das ist nichts für mich. Nächstes Jahr im 9er-Praktikum möchte ich doch lieber zum Tierarzt. Ralf Erdmann weiß diese Ehrlichkeit zu schätzen und lotst sie gleich weiter zum Spritzguss.

Antje und ihre Mitschülerinnen sollen bei der Feuerwehr dicke Schläuche werfen, um sie abzurollen. Doch vorher rollen sie sich erst einmal selber ab, weil es so gar nicht klappen will, denn Wasserschläuche abrollen will gelernt sein. Deshalb fällt manchem ungelernten Mädchen der zur Schnecke gerollte Schlauch mit einem deutlich hörbaren "Plopp" direkt vor die Füße, statt elegant Strecke zu machen. Dafür sind alle Bereiche, wo es um Einfühlungsvermögen geht, zum Beispiel Rettungsdienst, die Frauen eindeutig besser, wissen die Ausbilder. Das sei Fakt und kein Rollenklischee.

Michelle hat kein Problem mit körperlicher Arbeit, sie kann zupacken.

Damit hat Michelle überhaupt kein Problem. Sie packt richtig an und bohrt einhändig Löcher zum Beplanken in die Wände. Auch für ihren Arbeitgeber, den Trockenbauer Thorsten Wehrend, scheint das Geschlecht eine untergeordnete Rolle zu spielen. Hauptsache ordentlich und gewissenhaft, und das sind Eigenschaften, die Michelle nicht fremd sind. Sie macht die Arbeit gerne und kann sie sich auch für ihre Zukunft vorstellen. Schalldämmung mit Steinwolle und Decken abzuhängen gehören dazu und das Schöne: Am Ende des Tages sieht man ein Ergebnis.


Max und Moritz in der Bäckerei. Naschen nicht gestattet.

Was machen derweil die Jungs? Da sehen wir mal in der Bäckerei Holtkamp nach, eine der letzten, die keine angelieferten Rohlinge backt, sondern den Teig noch selbst herstellt. Es duftet herrlich nach Gebäck, der Verkaufsraum ist in gelbliches Licht getaucht. Um die Jungs zu finden, müssen wir allerdings weiter hinten nachsehen, in der Backstube. Da finden sich Maximilian und Moritz (tatsächlich!) bei der Arbeit, natürlich in Arbeitskleidung, wie es sich gehört. So richtig begeistert wirken sie zwar nicht, den laut Max ist der Job "ganz schön anstrengend", aber sie erledigen zuverlässig die typische Arbeit einer Bäckerei-Fachverkäuferin: Plätzchen verpacken und danach Brötchen belegen. So verführerisch der süße Duft und das große Angebot auch sein mögen, gegessen wird nicht, nur in der Pause. Die haben sie sich aber jetzt verdient, meint Chef Stefan Holtkamp und lässt sie ausruhen.


Lisa-Marie hat einen Arbeitsplatz in der Männerwelt des Bauens.

Währenddessen sitzt Lisa-Marie vor ihrem PC bei Hochtief in Duisburg und erledigt ihre Aufgabe. Gerade ist sie von der Baustelle des zukünftigen NRW-Landesarchivs gekommen, wo sie mit dem Bauleiter zusammen nach dem Rechten gesehen hat. In der Morgenbesprechung hatte es Hinweise auf Probleme mit der Elektrik gegeben. Da hieß es Helm auf - Warnweste an und rauf auf den Bau. Lisa-Marie glaubt, dass Frauen einen schweren Stand in dieser Männerwelt haben. Der Bauleiter bestätigt, nach seiner Erfahrung haben Frauen eine völlig andere Herangehensweise an die anfallenden Vorgänge und verzögern damit gewohnte Abläufe. Die Schülerin sieht sich in der Zukunft daher auch nicht auf dem Bau sondern bei Sprachen oder Medizin.


Laura posiert im Rokoko-Kostüm hinter der Bühne des Aalto-Theaters.

"Vorsicht!" Der Bühnenarbeiter warnt mit erhobener Stimme, denn eine riesige Kulisse wird über die Drehbühne des Aalto-Theaters geschoben. Auf der grell ausgeleuchteten Bühne steht das Instrumentarium einer Band, an den Wänden hängen Poster von Queen und aus den Lautsprechern schallt wuchtig die Stimme von Freddy Mercury. Szenerie, Licht und Ton haben Essener Jungen und Mädchen aufgebaut. Irgendwo unter ihnen muss Laura sein. Sie kommt gerade aus der Requisite und hat angestaubte Waffen ausprobiert. Sie scheint in ihrem Element, denn nun posiert sie inmitten der Bühnentechnik in einem Rokoko-Rock, einem Justaucorps. Aber viel Zeit hat sie nicht, denn nun muss sie noch in die Maske, um sich schminken zu lassen. Und sie verschwindet wieder aus dem Scheinwerferkegel ins Dunkel...
Michael Rausch



Veröffentlicht am:
02.05.2013