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Soll ich das einfach so weg atmen?

Pubertät - Elternabend mit brisantem Thema


Angela Felix, Leiterin der Caritas-Familien- und Erziehungsberatungsstelle, würzt ihren Vortrag mit Dutzenden Fallbeispielen aus ihrer Praxis vor über hundert Interessierten im Musiksaal der Elsa-Brändström-Realschule.

"Wegen Umbau vorübergehend geschlossen." Dieses Schild, getragen von pubertierenden Jugendlichen, würde einiges an ihrem Verhalten erklären. Eltern, Lehrer und andere Betroffene hätten dann zumindest einen Hinweis. Solche gab es allerdings jetzt in Fülle von Angela Felix, Leiterin der Familien- und Erziehungsberatungsstelle der Essener Caritas. Die AES und die Elsa-Brändström-Realschule hatten die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin zum jährlichen Eltern-Informationsabend eingeladen und weit über hundert Eltern waren erschienen. Das Thema schreit nach Rat und Tat.

"Jugendliche können in dieser Zeit sehr gut sagen, was sie nicht mehr wollen, aber noch nicht, was sie wirklich wollen", ist eine Beobachtung aus der Praxis der Therapeutin. Die Hirnforschung liefert die Begründung: Der Teil des Gehirns, der dafür zuständig wäre, ist noch gar nicht entwickelt, der kommt erst noch. Das führt zu schweren Spannungen beim Jugendlichen selbst und zu schwer erträglichem Verhalten für die Umgebung.

Immer wieder geht die Beraterin auf Fragen aus der Elternschaft ein. Angela Felix rät in manchen Fällen zur Gelassenheit, denn der Erfolg von Konfrontationen sei gering: "Überhören Sie auch mal eine blöde Bemerkung." Eine Mutter hakt nach: "Soll ich denn nicht reagieren, wenn mein Sohn im Hinausgehen mir noch ein ‚Entspann dich mal' anbietet, soll ich das einfach weg atmen?" Die Heiterkeit im Saal verrät Mitgefühl, ja, so etwas kennen wir alle.  Angela Felix: "Man muss nicht jeden Konflikt austragen, das eigene Wohlbefinden ist ein Gut. In diesem Fall kann ich darauf anspringen oder mir denken ‚Selber doof'."

Sie setzt auf klare Absprachen, damit es eine Linie gibt, über die man sprechen kann. Apropos Linie: Bitte keine Linien verwischen, die gegeben sind, rät Felix. Eltern seien Eltern und nicht die besten Kumpels ihrer Kinder und sie sollten auf keinen Fall versuchen, sich jugendlicher zu geben, als ihr Nachwuchs. "Verhalten Sie sich erwachsen, auch wenn Sie dafür Provokationen ernten." Denn eins ist klar - die Jugendlichen können nicht dafür, wenn Körper und Psyche verrückt spielen, das ist die Natur. Es ist aber trotzdem unerlässlich, sie in die Schranken zu weisen.

"Seien Sie sicher", dieser Satz der Therapeutin hat etwas sehr Tröstliches, "Sie sind die innere Stimme ihrer Kinder. Denken Sie daran, dass die Grundlagen Ihrer Beziehungen lange vor der Pubertät entstanden sind." Und das bedeutet, dass Eltern, auch wenn Ihnen angesichts durchgedrehter Kinder Übles schwant, Vertrauen haben können, dass die erwähnte Schließung tatsächlich nur vorübergehend ist und dass irgendwann alles gut wird. Millionen vernünftiger Erwachsener sind der Beweis.

Michael Rausch



Veröffentlicht am:
03.10.2012