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Kleine Leute und Minipumpen

Girls’ And Boys’ Day

„Soo klein“, sagt Lena und hält Daumen und Zeigefinger ziemlich nah aneinander. Sie meint die Miniaturpumpen, deren Entwicklung und Herstellung sie gemeinsam mit Jennifer bei Schwarzer Precision besichtigen durfte. Einige dieser kleinen Wunderteile sind tatsächlich nur rund 30 Millimeter groß und bei einem Gewicht von kaum spürbaren 15 Gramm wahre Kraftzwerge. Es ist wieder mal Girls And Boys Day, der Tag des Rollentauschs für Mädchen und Jungen der achten Jahrgangsstufe der AES.


Der Monitor zeigt: Pumpe läuft auf Maximum.

Gewundert haben sich die Mädchen allerdings nicht, weder über die noch männliche Domäne der Arbeitswelt, noch über die Winzigkeit der Pumpen. Sie nehmen zur Kenntnis, was mittlerweile technisch möglich ist und arbeiten damit. „Zuerst haben wir die Pumpen aus Teilen zusammengebaut und dann geprüft“, erzählt Lena und Jennifer ergänzt: „Wir mussten am PC messen, ob sie ihre Maximalkraft erreichen und 600 Milliliter pro Minute schaffen. Anfangs war alles ziemlich kompliziert, weil es so klein ist. Wir mussten mit der Pinzette arbeiten. Aber dann war es ziemlich cool.“ Na klar, wenn man Geräte testet, die für die NASA bestimmt sind. Klein aber oho!


Rafael hilft kleinen Leuten, es selbst zu tun.

Klein sind auch die Leute, mit den Raphael heute arbeitet: Die Kinder des evangelischen Kindergartens „Haus der kleinen Leute“. Sie sitzen in der Ecke auf dem Sofa und unterhalten sich. Ein Junge klettert gerade hinauf. Die Kinder spielen und kichern dabei. Rafael kommt es vor, als wäre er selbst erst gestern noch hier gewesen. Und tatsächlich ist es gerade mal acht Jahre her. „Nur der Anstrich ist neu“, fällt ihm auf. Die Gruppenleiterin erinnert sich noch gut an ihn und findet, dass er seine Sache gut macht. „Das ist ein sehr schönes Wiedersehen“, meint Rafael. „Die Kinder sind sehr lustig, sie sind noch sehr verspielt und lieb.“ Er hat seine Rolle schnell gefunden, die Kinder machen es ihm leicht. „Sie sehen mich als Großen, sie unterscheiden nicht zwischen den älteren Profis und mir.“ Er könnte sich gut vorstellen, mit kleinen Kindern zu arbeiten.“ Das fände ich sehr schön, denn es wird bestimmt nie langweilig, weil die Phantasie der Kinder endlos ist.“ Ein kleines Mädchen zupft an seiner Jacke. „Kannst Du mir mal helfen?“ Sie möchte eine Schwalbe bauen. Rafael zeigt ihr, wie es geht, frei nach Maria Montessoris Formulierung „Hilf mir es selbst zu tun“.


Für Melina geht’s um die Wurst.

Selbst tun muss es auch Melina, es geht um die Wurst, die sie sonst isst. Heute macht sie sie zur Abwechslung selber. Die Metzgerei vom Grünen Markt riecht nach Schweinefleisch. Schwerer, warmer Dampf liegt in der Luft. Zwanzig Kilo mageres Fleisch von eigenen Tieren sind zusammen mit zehn Kilo fettem und neun Kilo Eis in der Zerkleinerungsmaschine, dem Kutter, zu Wurstbrät verarbeitet worden. Eis? In der Wurst? „Zum Kühlen“, erklärt der Meister, liebevoll „Opa“ genannt, „sonst gerinnt das Eiweiß bei der hohen Drehzahl.“ Die Masse wird als endlose Schlange in den Wurstdarm gefüllt. Melina muss ihn vor dem Brühen auf gleichlange Stücke „abdrehen“. „Das sieht leichter aus, als es ist“, meint sie. Vorhin im Stall hat sie noch die Tiere gefüttert. „Das war einfacher.“ Im Anschluss wartet die Küche auf sie, dort wird sie Salate herstellen. Darauf freut sie sich. Denn ganz wichtig ist für sie an diesem Tag: „Mal was anderes als Schule!“ 

Deutlich anders als Schule ist auch der Tag für Maximilian und nichts für Warmduscher. Er arbeitet im Huyssen-Stift an mehreren Fronten. „Dauernd ging mein Pieper“; berichtet er, „das war der Patient mit der frischen Blasen-OP, der hat mich gut auf Trab gehalten, weil er noch keine Kontrolle hatte. Dann musste ich immer auf die Station sausen und die Bettpfanne wechseln.“ Aber auch bei zwei Operationen ist er anwesend. „Bei einer Patientin wurde unter der Brust ein kleiner Schnitt gemacht und eine Sonde eingeführt. Damit konnte man über Monitor genau sehen, wo der Tumor saß. Dann wurde das Gewebe abgesaugt.“ Blut, Gewebeflüssigkeit, Urin – für Max kein Problem. „Das macht mir nichts, das kann ich ab.“ Respekt!


Konzentriert beim Planspiel: Maike und ihre Gruppe gewinnen.

Kalibrieren, einstellen von Temperatur-, Druck- oder Strömungssensoren, da kann man Respekt vor feiner und präziser Technik bekommen. Maike und vier ihrer Mitschülerinnen lernen an Produkttafeln die Funktionen der Originalteile der ifm electronic gmbh kennen. Klein und fein, aber alles zum Anfassen. Die Firma zeigt Schülerinnen aus dem ganzen Ruhrgebiet ihre Produktpalette und die Ausbildungsberufe drum herum. Gerade haben sie schulübergreifend Gruppen gebildet und spielen das Gelernte in einem Planspiel durch. Unter Anleitung von ifm-Auszubildenden stellen sie die Ausbildungswege dar, vom IT-Entwickler über Techniker zu Marketing-, Vertriebs- und Logistik-Fachleuten. Das ganze Programm, in dem Mädchen gute Chancen haben. Die Gruppe der AES-Mädchen gewinnt das Planspiel. „Wir hatten die meisten Infos“, begründet Maike zufrieden und auch den anderen aus der Gruppe ist ihr Stolz anzusehen.


Paul hat ein Händchen für Haare.

Er ist in seinem Element, das ist ihm anzusehen. Paul hält die lange blonde Haarsträhne in der Hand und lässt die Spezialbürste durch die Spitzen gleiten. Die Dame am anderen Ende lächelt entspannt, kein unangenehmes Ziehen verdirbt ihre gute Laune. Paul macht seine Sache gut im Salon Hairdesign, die Chefin ist voll des Lobes. Sie erklärt ihm alles, ganz gleich ob färben, tönen oder andere Techniken. Und Paul ist ganz mit dabei und fasst an, wo es nötig ist. Die Kundinnen mögen ihn. Seine Motivation: „Ich finde es schön, Menschen zu helfen, sich kleinere Träume zu erfüllen.“

Michael Rausch




Veröffentlicht am:
01.05.2012