Unser Logo Unsere Schule Unser Hundertwasser-Flur Stadtwaldfest Skifreizeit in Mittenwald Jedem Kind sein Instrument Freiarbeit nach Montessori Fußballturnier
Albert-Einstein-Realschule      Offener Ganztag - individuell gestaltet

Mit Alfried Krupp um die Welt


Rechts: Felix Weise - Albert-Einstein-Realschule                          Foto: Klaus Micke, WAZ

 Essen vom 08.02.2012, Autor ???


Wer das 210 mal 297 Millimeter kleine, beinahe unscheinbar wirkende Schriftstück hinter seinem Lebenslauf und seinen Zeugnissen in der Bewerbung drapiert, bekommt relativ sicher ei­ne Lehrstelle. „Un­sere Quote liegt bei ziemlich genau 100 Prozent“, bemerkt Thomas Kempf fast lapidar im NRZ-Gespräch. Grund dafür ist nicht etwa besonderes Pa­pier des mit nur wenigen Zeilen verse­henen Din-A4-Blatts. „Viel mehr trägt dieses Dokument die Signatur von Herrn Beitz“, löst er das Geheimnis auf. Kempf sitzt bei der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung im Vorstand, ne­ben Berthold Beitz. Leicht zu bekommen ist ein Brief mit Unterschrift des Stiftungs-Vorsitzenden aber nicht, obgleich ihn bis dato knapp 730 Essener irgendwo in der Schublade liegen haben. Und sie haben ei­ne weitere Gemeinsamkeit; alle zählen zum Kreis der Schüler-Stipendiaten für Betriebspraktika im Ausland, die von der Stiftung gefördert werden. Jüngst hat das Kuratorium das Programm um fünf Jahre verlängert. Und lässt dafür stolze 720.000 Euro springen.

Schon seit 15 Jahren vergibt die Krupp-Stiftung Stipendien an Essener Schüler, in den Anfangsjahren jedoch an den Eu­ropaschulen. Sie sind ein Baustein im Förderpro-gramm der Stiftung zur „Bekämpfung der Jugendar­beitslosigkeit“. Koordiniert und durchgeführt werden sie vom „Verein zur Förderung der Zu­sammenar­beit von Schulen und Wirtschaft“ und der Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft (EWG). „Für Unternehmen ist ein Standort attraktiv, wenn sie dort geeignete Mitarbeiter finden. Wir helfen auch durch dieses Projekt mit, dass es solchen Nachwuchs gibt“, sagt Projektleiter Josef Budzinski von der EWG. Die Stipendiaten seien Vorbilder. „Jeder ist ein Beispiel für viele an seiner Schule.“

Seit zehn Jahren stehen die Stipendien Mädchen und Jungen aller Schulformen offen – etwa der Hauptschülerin Dana Malerwein von der Marienschule in Steele und Felix Weise von der Albert-Einstein-Realschule in Rellinghausen. In Kürze brechen die 16- und der 15-Jährige zu ihren vierwöchigen Auslandspraktika auf. Wohin es geht? Das steht noch nicht genau fest. Meist sind es Unternehmen in Eu­ropa oder in China, Australien, den USA und den Philippinen.

Malerwein kam in Kasachstan zur Welt und erst vor sechs Jahren nach Essen und will nach der Schule Speditionskauffrau werden. Obgleich die Neuntklässlerin vier Sprachen spricht, „hoffe ich, dass mein Schulenglisch reicht, um mich verständigen zu können“. Sie will fremde Kulturen kennenlernen und Freundschaften im Ausland knüpfen. Felix Weise weiß noch nicht, was er beruflich machen möchte: „Schön wär’s, in einen Handwerksbetrieb reinschnuppern zu dürfen.“ Die würden immer interna-tionaler tätig und nehmen Aufträge aus ganz Europa an. Weise: „Das zeigt sich auch in der Verwaltung. Vielleicht finde ich über das Praktikum meinen Traumberuf.“

„Auf 50 Plätze kamen diesmal 106 Bewerber. Wie immer hat eine Jury entschieden, wer das Stipendium bekommt“, erzählt Kempf. Als Juror sichtet er mit seinen Kollegen Bewerbungen und findet in Einzelgesprächen heraus, wer geeignet ist. Neben dem Praktikum ermöglicht die Stiftung den Stipendiaten einen Etikette- und Wirtschafts-englisch-Kurs, Bewerbungstraining sowie einen Besuch im Museum Folkwang. Nach ihrem Praktikum sind sie zu Kaffee und Tee in der Villa Hügel eingeladen.

Doch sind Auslandspraktika im Zeitalter von Billigflügen in alle Welt und des Internets überhaupt noch zeitgemäß? Berthold Beitz hat keine Zweifel: „Jugendliche können sich problemlos mit dem Computer ein Bild von der Welt machen. Wenn ich aber mit denjenigen spreche, die ein Stipendium im Ausland gemacht haben, höre ich immer wieder: ,Es war alles ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe.’ Sie bestätigen mir: Persönliche Erfahrung und die Begegnungen mit Menschen in einem fremden Land sind unersetzbar.“

Anmerkung der Redaktion: Die AES hat in diesem Jahr von 50 vergebenen Stipendien ACHT (8) erhalten. Herzlichen Glückwunsch an die Stipendiaten und vielen Dank an die Krupp-Stiftung.




Veröffentlicht am:
10.02.2012