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Dicke Bretter bohren

„Girls’ And Boys’ Day“ für AES-Schüler - Dicke Bretter bohren und Schläuche werfen


Ziemlich gut, die Luft da oben. Uwe Rose zeigt Isabell und Lena, wie man ein Gerüst baut.

Rauf aufs Gerüst und angepackt, hieß es für die AES-Schülerinnen Isabell und Lena am „Girls’ And Boys’ Day“. Kontrastprogramm für Jungen und Mädchen der Klassen 8. Nicht nur, dass sie die sprichwörtliche Schulbank mit der Berufswelt vertauschten, sie schnupperten auch in die typischen Domänen des jeweils anderen Geschlechts, und so arbeiteten sie mit vertauschten Rollen in Küche und Kindergarten, auf dem Gerüst oder in der Werkstatt.


Skizzen maßstabsgerecht auf Holz übertragen und dann Bretter in jeder Stärke bohren, das ist Isabells und Lenas Job.

Isabell und Lena müssen deshalb an diesem Tag nicht nur dicke Bretter bohren, sondern diese auch vorher heranschaffen und aufs Gerüst schleppen, das Uwe Rose, Dachdecker, Bauklempner und Zimmermann in einer Person, an der Hausfassade aufgebaut hat. Skizzen maßstabsgerecht auf Holz übertragen, sägen, schrauben, hämmern – ihr Arbeitstag ist gut ausgefüllt und die frische Luft sorgte hoch auf dem Gerüst für gesunde Gesichtsfarbe.


Drucker Uli Strömisch erklärt, was eine Offsetdruckmaschine macht.

Ein paar Etagen tiefer, nämlich im Untergeschoss des Essener Rathauses, werden Schülerinnen in die Geheimnisse der ehemals „schwarzen Kunst“ eingeweiht: Hier befindet sich nämlich die Rathausdruckerei, in der die „Knöllchen“ gedruckt werden, natürlich in Farbe. Aber auch städtische Drucksachen, Flyer, Rats- und Ausschussvorlagen können die Mädchen im Entstehen beobachten. Drucker Uli Strömisch erklärt geduldig die ratternden Offsetmaschinen, wie sich Wasser und fettige Farbe auf der Druckfolie abstoßen und deshalb genau an der richtigen Stelle Farbe aufs Papier bringen. Wie in vier getrennten Druckvorgängen die Farben zusammengesetzt werden, welche Papiere verwendet werden, keine Frage blieb offen. Gespannt sehen die Praktikantinnen, wie die Druckvorlagen am Bildschirm entstehen. Bildbearbeitung, Textformatierungen, Schrift- und Farbwahl – alle Schritte wurden ausführlich erklärt. Und jetzt kommt endlich die Praxis: Alle Mädchen stellen sich selbst eine Urkunde als Druckvorlage her und begleiten das Produkt von der ersten Idee bis zum fertigen Druckerzeugnis. Eine beeindruckende Angelegenheit.


Gülcin schneidet eine Autotür durch.

Ob sie alle nun Druckerinnen werden wollen? Fünf Ausbildungsplätze bietet die Rathausdruckerei an und mehr weibliche Kandidaten würden durchaus gern gesehen. Der „Girls’ And Boys’ Day“ soll allerdings nicht gezielt für den jeweiligen Praktikumsberuf werben, sondern einen Einblick in bisher untypische Tätigkeiten geben. Nicht jeder Junge kann und soll nach der Schule an Autos schrauben und nicht jedes Mädchen Haare waschen und legen. Die Berufswelt ist bunt!


„Ist das schwer!“

So bunt wie das Feuerwehrrot und die gelben Reflektoren an den dunkelblauen Schutzanzügen, die Gülcin und ihre Mitschülerinnen in der Ausbildungsstätte der Essener Berufsfeuerwehr tragen. Ein hässliches Geräusch von berstendem Glas und knackendem Metall begleitet ihre Aktion, bei der es eine Autotür aufzuspreizen und Holmen durchzuschneiden gilt. Beides wichtige Voraussetzungen, um in Autowracks eingeklemmte Personen zu befreien. Die Mädchen fragen, wie man Blech schneidet, ohne das Opfer (Die Feuerwehr sagt „Patienten“.) zu ängstigen oder gar zu verletzen. Und genau hier sind wir an dem Punkt, den die Ausbilderin an den Mädchen schätzt: „Alle Bereiche, wo es um Einfühlungsvermögen geht, zum Beispiel Rettungsdienst, sind die Frauen eindeutig besser.“ Grund genug, den Prozentsatz an Frauen bei der Essener Feuerwehr anzuheben.


Die 30-Meter-Drehleiter, eine Höhe, die nicht jeder gut aushält.

Wasserschläuche abrollen will gelernt sein, deshalb fällt manchem ungelernten Mädchen der zur Schnecke gerollte Schlauch mit einem deutlich hörbaren „Plopp“ direkt vor die Füße, statt elegant Strecke zu machen. Und nach einer Fahrt mit der Drehleiter auf 30 Meter ist manche Nasenspitze deutlich blasser geworden. Sie hat einiges zu bieten, die Feuerwehr, sie verlangt aber auch eine Menge, zum Beispiel eine abgeschlossene Berufsausbildung und körperliche Fitness. Die brauchen die Mädchen jetzt, als sie Schutzhelm und Atemschutzgerät anlegen, um einen „Innenangriff“ zur Menschenrettung vorzunehmen. Das Szenario: Verqualmtes Haus, null Sicht, mit der Wärmebildkamera alle Räume nach Personen absuchen und diese bergen. Etwas mehr Gelenkigkeit wäre jetzt hilfreich, die Sauerstoffflaschen ziehen schwer nach hinten. Der Ernstfall wäre nicht annähernd so lustig wie die Übung. Immerhin: Der 20-kg-Dummie wird erfolgreich geborgen. Das Seufzen der Mädchen gilt aber nicht dem Geretteten, sondern dem eigenen Rücken. „Boah, ist das anstrengend!“ Ungewohnte Tätigkeit, im Ernstfall kämen noch Hitze, Qualm und Dreck dazu.


Merkwürdige Gangart. Hier ist Gelenkigkeit gefragt.

„Mädchen dürfen sich auch mal schmutzig machen“, ist das Credo der Tischlerin Nadine Stachelhaus, die Nina, Annika und Carina bei der Arbeit in der Schreinerei anleitet. Wobei sich hier der Schmutz in Grenzen hält, es gibt Unangenehmeres als Sägemehl und die Werkstatt riecht wunderbar nach Holz. Die drei Mädchen bauen Nistkästen und müssen dazu anreißen, sägen, bohren, schleifen, nageln und beizen. Skandinavische Wohnkultur für Meisen mit eingebauter Mardersperre. Während der Ausbilderin eine Erhöhung der zehnprozentigen Frauenquote durchaus wünschenswert erscheint, merkt man den Mädchen an: Ihr Traumberuf ist wohl ein anderer. Annika träumt von der Selbständigkeit als Innenarchitektin. Ob sie weiß, dass die Innenarchitektin auch in der Schreinerei Bescheid wissen muss? Bis zur endgültigen Entscheidung bleibt ja noch etwas Zeit.


„Millimetergenau? Na gut, machen wir!“


Eigentlich müsste Carina selbst den Daumen hinhalten. Freundlicherweise stellt Tischlerin Nadine Stachelhaus ihren zur Verfügung.

Michael Rausch




Veröffentlicht am:
02.05.2011