Unser Logo Unsere Schule Unser Hundertwasser-Flur Stadtwaldfest Skifreizeit in Mittenwald Jedem Kind sein Instrument Freiarbeit nach Montessori Fußballturnier
Albert-Einstein-Realschule      Offener Ganztag - individuell gestaltet

Mein Kind ist unkonzentriert

Zweiter Abend mit professionellem Rat für Realschuleltern

Die Hausaufgaben ziehen sich heute wieder. Julians Blick schweift immer wieder zum Fenster. Die Anderen sind bestimmt schon draußen, denkt er und versucht, beim Multiplizieren einen klaren Gedanken zu fassen. Aber damit ist es wieder mal nichts. Seine Mutter atmet schwer durch, sie betrachtet ihren Sohn mit Sorge. Was soll sie nur mit dem Jungen machen?

Wie lang kann ein 12-jähriges Kind sich überhaupt konzentrieren? Was ist eigentlich Konzentration? Was ist ADHS? Was können Eltern tun, um die Konzentration ihres Kindes zu verbessern? Wer Kinder hat, wird sich eine dieser Fragen schon einmal gestellt haben. Für Antworten sorgte der Diplompsychologe Heinz Bilge, Erziehungsberater der Caritas, am zweiten Infoabend einer Reihe, geplant von der Elternbildungskonferenz Rüttenscheid in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, der Albert-Einstein-Realschule (AES) und der Elsa-Brändström-Realschule, die diesmal ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellte.



Der Fachmann führte den Eltern zunächst ihr eigenes Konzentrationsvermögen vor Augen, in dem er sie mit einem gähnend langweiligen Text malträtierte. Die Zuhörer konnten beobachten, wie ihre Konzentration abbröckelte und die Gedanken abschweiften. Merke: Nicht jeder Konzentrationsmangel ist gleich eine Störung oder gar krankhaft. Kinder im Alter von 12 Jahren können sich maximal 25 Minuten konzentrieren. Spätestens dann macht ihre Psyche eine Pause und der wissende Lehrer wechselt die Methode. Der Tipp für Eltern: Aufgaben stückeln, zwischendurch zu Bewegung anregen und positiven Druck machen: Wenn du das erledigt hast, darfst du anschließend…

In Sachen ADHS gab Bilge zu bedenken, hinter dem Kürzel verberge sich eine „Modediagnose“, die zu oft zu schnell gestellt werde und nur für 2 bis 5 Prozent aller Kinder in Frage komme. Die Konzentrationsstörung hingegen sei keine Krankheit, sondern ein Begleitsymptom, sprich: sieht aus wie eine Konzentrationsstörung, ist aber etwas anderes. Oft stimmten familiäre Rahmenbedingungen nicht, es fehle an der nötigen Ruhe, an Ritualen wie gemeinsame Mahlzeiten, oder es gebe unterschwellige Spannungen.

Tipps und Tricks machten die Runde: von der Büroklammer in der Hand während des Referates über Musik bei den Hausaufgaben sei alles möglich. Das könne man nur im Einzelfall entscheiden, da es nicht bei allen gleich funktioniere, so Bilge. Als er gezielte Störaktionen empfahl, um das Konzentrationsvermögen zu fördern, griff Heiterkeit um sich. Dabei war der Vorschlag durchaus seriös, denn der Diplompsychologe weiß: „Konzentration ist trainierbar.“ Der Mensch braucht durch seine natürlichen Anlagen ständig neue Eindrücke. Er muss nur lernen, Unwichtiges auszublenden, wie bei einer Zielscheibe, wo nur das Zentrum zählt.

Der Abend war bereits der zweite in einer Reihe von Elternbildungsveranstaltungen, die durch guten Besuch und rege Diskussion eine Fortsetzung geradezu fordern. Für den dritten Abend wünschten sich die Eltern das Thema „Gewalt und Mobbing“.

Michael Rausch




Veröffentlicht am:
07.10.2010