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Gewitztes Spiel mit Klischees

Foodcourt Yourope – „Essen ist Kultur“ 


Ordnung muss sein im Foodcourt – das Besenballett.

Es ist längst Realität, das viel beschworene Miteinander der Nationen, allerdings vorwiegend in gastronomischer Hinsicht: Sämtliche nur denkbaren europäischen Spezialitäten bereichern seit Jahrzehnten unseren Speisezettel. Doch auf anderen Gebieten lauern die Vorurteile. Freies Schussfeld für die AES-Theater-AG unter Leitung von Elke Siepmann, um im Kulturhaupstadtjahr damit zu spielen und ein Plädoyer für mehr gegenseitiges Verständnis abzulegen.


„Lecker riechen tut et ja schon…“
 

Pfiffig, diese Griechen: „Kultur schmeckt nicht jedem, kostet aber doppelt.”

Gewitzt gingen dabei die Jungmimen in ihrem ersten Theaterstück zur Sache. Sie spielten den Foodcourt Yourope, die „Fressmeile“ Europa, und bedienten dabei scheinbar gängige Vorurteile, jedoch nicht ohne den Deutschen dabei den Spiegel vorzuhalten. Urkomisch die beiden Alten, die darüber diskutieren, ob der griechische Knoblauch wirklich schlimmer riecht als das penetrante Rasierwasser im Heim oder die tumben Fußballfans, die Niederländisch für eine Rachener-krankung halten und dann doch lieber nach Venlo fahren, um wenigstens dort unter sich zu sein.


Aylin, Niki, Evangelos, Yousif, Niklas, Nina und Mike singen „ein Europa“.
 

Fritten sind soo lecker, leider keine deutsche Erfindung.

Zum Kringeln die Pizzabäcker, die die Signorinas anschmachten: „Aah, welche Figur. Können diese Augen lügen, können diese Füße fremdgehen?“ Am Ende will er doch nur ein Geschäft machen. Ja, so ist er, der Italiener, oder nicht? Und die deutschen Zicken, die ihre abstrusen Ernährungsgewohnheiten besprechen („Iiih, Milchprodukte aus diesen lila Riesenviechern!“) und zum Ergebnis kommen: „Das geht gaaaar nicht!“ Die sind auch so, da kann man nichts machen.


„Aah, que bella figura…“
 

„Das geht gaar nicht.“ Stimmt!

Kann man nicht? Das Leitmotiv der Revue sagt etwas anderes: „Ein Europa woll’n wir werden“, lautet die Refrainzeile des Liedes, das nach jeder Nummer zum Mitklatschen einlädt. Schulleiterin Ulrike Liebenau verwies auf das funktionierende Miteinander in der eigenen Schülerschaft aus aller Herren Länder. Und wie sagte Frau Antje am Frittenstand: „Holländer tolerieren alles, sogar Dummheit und Intoleranz.“ Na bitte!


Schulleiterin Ulrike Liebenau dankt Autorin und Regisseurin Elke Siepmann.

Michael Rausch




Veröffentlicht am:
12.07.2010