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Jungen übrigens auch

AES Schüler am Girls’ And Boys’ Day
Mädchen können auch anders - Jungen übrigens auch


Die Klingel ertönt – acht Uhr, Unterrichtsbeginn. Ein ganz normaler Schultag für Christian? Etwas ist heute anders. Die „Mitschüler“ auf dem Schulhof sind acht Jahre jünger und gut einen halben Meter kleiner als er. Christian macht am Girls’ And Boys’ Day ein Praktikum an der Gemeinschaftsgrundschule an der Raadter Straße in Haarzopf.


Christian hilft Söhnke beim Subtrahieren.

Wird das einmal sein Beruf?

26 Erstklässler der 1b haben keinerlei Scheu vor dem Praktikanten und integrieren ihn mühelos. Klassenlehrerin Kurzke stimmt das Begrüßungslied an, „guten Morgen, buenas dias, bonjour“ singt die ganze Klasse. Und nun steigen an der Tafel fortwährend Leute von Schiffen oder auf Schiffe. Es geht um Subtraktion. „Erst bis zur 10, das ist nicht schwer, dann die Anderen, bitte sehr.“ Christian beugt sich mit über die Rechenaufgaben und hilft Passagieren an Land und kleinen Rechnern beim Ergebnis. Mit der Zungenspitze im Mundwinkel und dem Bleistift in der Hand wird geschrieben, radiert und verbessert. Die Kinder haben Vertrauen zu Christian und lassen sich beim Rechnen genau so gerne helfen wie später, als es um den Buchstaben C geht. Ein möglicher Beruf? Christian zuckt die Schultern. Er weiß es noch nicht. Grundschulpädagogen sind dagegen sicher, dass mehr Männer der Schulform gut täten.


Mädchen im Blaumann

Na, ob das klappt?

Schick sind sie nicht, die Sicherheitsschuhe mit den Stahlkappen, ebenso wenig wie der Blaumann und der Schutzhelm. Aber für Daniela und die beiden Ninas gehört die Berufskleidung zur Arbeit bei Streif Baulogistik. Gerade zerlegen sie ein 400kg-Triebwerk. Vorher sind sie bereits Bagger gefahren und haben in der Kabine in fünf Meter Höhe den Kran bedient. Mädchen in Industrieberufen? „Warum nicht“, antwortet Baumaschinen-Fachmeister Marcus Fries, der die Schülerinnen in der Wartungshalle anleitet. Vernünftige Argumente dagegen gibt es wohl nicht. Die Kranführerin  zum Beispiel war in den sozialistischen Ländern eine Selbstverständlichkeit. Viele Firmen würden gerne mehr junge Frauen in den Werkshallen begrüßen, nicht nur, damit sich die Sanitärumbauten lohnen. Die Mädchen stehen nämlich im Verdacht, durchweg sorgfältiger und gewissenhafter zu arbeiten.
Nina fährt den Deckel der Turbokupplung mit dem Hallenkran über das Triebwerk, senkt es ganz langsam ab, während ihre Mitschülerinnen sorgsam die Bohrungen übereinander bugsieren. Dann schwingen alle drei wieder den Schraubenschlüssel und ziehen den Deckel fest. „Es macht total Spaß“, beteuern sie, zögern aber bei der Frage nach dem Berufswunsch. Die Industrie steht ihnen offen, sie müssen jetzt nur noch mitspielen.

 
Geschafft!

Logistik ist, wenn Dinge von A nach B gebracht werden, stimmt’ s? Na ja, etwas komplizierter ist es schon noch. Aber das erklären die Mitarbeiter der DHL Solutions Fashion GmbH den 14 AES-Mädchen ganz genau. Hier an der Hafenstraße wird Mode, angeliefert als Schiffsfracht, in einer 420 Meter langen Halle in vierstöckiger Höhe gelagert und bis hin zum Einzelhandel weiter verteilt.


Herbert Niepötter erklärt den Entladeroboter

Mädchen und Mode
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Bei Mode schlagen Mädchenherzen höher. Besonders dort, wo die einzelnen Kleidungsstücke ausgezeichnet und mit Diebstahlsicherungen versehen werden. Der Handel hat dafür nämlich weder Zeit noch Personal, heißt es. Beeindruckend, wie Transportkisten hoch über den Köpfen auf Transportbändern fahren, Schnellläufer mit Ware hin und her rollen und Kisten auf Röllchenbahnen in ergonomisch angepasster Höhe bei den Mitarbeitern landen.


Die Kisten kommen immer an

So wird Ware ausgezeichnet

Es gibt sie noch, auch in der Logistik, die typischen Männerbastionen, die es zu erstürmen gilt, wie IT oder Technik. Gut, dass die Mädchen mal hineinschnuppern konnten. Ob sie auf den Geschmack gekommen sind?


Tränen lügen nicht – Zwiebelschneiden macht Spaß

Getränkenachschub muss her
 

„Warum heulst du?“ fragt der Chef. Mats blinzelt durch seine Tränen. In der einen Hand hält er ein erschreckend großes Messer in der anderen eine pampelmusengroße Gemüsezwiebel. Er grinst und schneidet weiter Zwiebelringe für das Tagesgericht: Hamburger. Er und seine Mitschüler sind bei Betriebsleiter Ronny Gruhl in guten Händen. „Church“ heißt das etwas andere Restaurant des Diakoniewerks Essen, in dem Leute mit schwierigen Biografien eine Chance bekommen.


Ganz der Küchenprofi

„Mir macht es total Spaß, sagt Jan, der Tomaten schneidet und Radicchio zupft. „Ich sollte mir ja einen Frauenberuf aussuchen.“ Marvin und Julian sind für den Service eingeteilt. Auch sie tragen die klassischen Bistro-Vorbinder und „Church“-Polohemden. „Mach den Knopf zu“, empfiehlt Ronny Gruhl. „Wir sind hier auf dem Laufsteg.“ Und dann schwirrt Julian los: Acht kleine Wasser und eine Quitten-Bionade müssen in der Kühlung aufgefüllt werden. Über die Hausanlage läuft „The yellow rose of Texas“. Die Gäste können kommen.

Michael Rausch




Veröffentlicht am:
26.04.2010