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Albert-Einstein-Realschule      Offener Ganztag - individuell gestaltet

Erziehung durch Grenzen

Eltern suchten Rat in der AES



Rellinghausen/Bergerhausen.
Die Supernannies haben derzeit Hochkonjunktur. Der Grund? Harmoniesüchtige Eltern, die das genaue Gegenteil erreichen und verwöhnte Prinzen und Prinzessinnen, die die Kleinfamilie terrorisieren. Wem dieses Bild zu holzschnittartig erscheint, wird aber zumindest einräumen müssen, dass viele Eltern pädagogisch verunsichert sind. Es besteht Beratungsbedarf. Ein Infoabend in der Albert-Einstein-Realschule (AES) sollte jetzt Hilfestellung in konsequenter Erziehung geben.

„Grenzen in der Erziehung“, unter diesem Motto begrüßte der 2. Konrektor Walter Müller Eltern zweier Schulen in der AES-Aula. Die Elternbildungskonferenz Rüttenscheid hatte den Abend in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, der Elsa-Brändström-Realschule und der AES geplant und war auf reges Interesse gestoßen.

Schnell zeigte sich, dass „Grenzen in der Erziehung“ nicht die Grenzen meint, die Eltern im Alltag erfahren, sondern die, die sie ihren Kindern setzen müssen und zunehmend auch wieder setzen wollen. Zu stark ist der Eindruck, Kinder und Jugendliche würden keine Regeln mehr akzeptieren, Erwachsene nicht mehr als Autoritäten anerkennen. Referent Heinz Bilge, Erziehungsberater der Caritas schilderte in seinem Referat einige typische Fallbeispiele aus seiner Beratungspraxis.

Lara, 12 Jahre, bekommt Anfang des Monats Taschengeld: 10 € von Mama, 15 €  vom getrennt lebenden Papa, 10 € von Mamas Eltern, 8 € von Papas Eltern.
Am 16. bettelt sie ihre Mutter an um Taschengeld-Vorschuss: Sie will sich die neue CD von Tokio Hotel kaufen und hat kein Geld mehr…

Da ist guter Rat im wörtlichen Sinn teuer. Heinz Bilge rät, zwar Verständnis zu zeigen, aber auch zu klarer Haltung, wie etwa: Du hast das Geld selbst eingeteilt, also musst du warten oder für einen Zusatzverdienst sorgen, beispielsweise durch Übernahme spezieller Aufgaben wie die Innenreinigung des Autos. Auf gar keinen Fall sollte es Geld für gute Noten geben.

Mit Schilderungen wie dieser erntete Heinz Bilge viel Zustimmung bei den Zuhörern. So wurden Fragen nach Bezahlung von Mithilfe im Haushalt genau so laut wie die Alterseinstufung bei Computerspielen oder  was tun bei regelmäßigen Störungen durch die Kinder beim Telefonieren.

Bilge rät zu angemessenem Taschengeld. Extrageld soll es also nur bei echten Extraleistungen geben. Die Altersvorgaben der Spielehersteller sind nur Richtwerte. Wer sicher gehen will, schaut sich ein Spiel zuerst gemeinsam mit seinem Kind an und entscheidet dann selbst. Das Recht auf ungestörtes Telefonieren muss eingefordert werden. Nur in ganz besonderen Fällen können Kinder die Dringlichkeit durch Handzeichen signalisieren. Die Hinweise sind klar und verblüffend einfach.

Das rege Interesse und die Beteiligung der Eltern machten den Abend zu einem vollen Erfolg. Gudrun Koschmieder, zweite Konrektorin der Elsa-Brändström-Realschule, lobte die gute und unbürokratische Zusammenarbeit und ließ über den Wunsch nach weiteren Abenden abstimmen. Praktisch alle Anwesenden waren dafür, im 2. Halbjahr einen weiteren folgen zu lassen, der an der Elsa-Brändström-Realschule stattfinden soll. Die Themenwünsche bezogen sich entweder auf Konzentrationsprobleme der Kinder oder Mobbing und Gewalt. Die Nachfrage ist da, die Antworten auch, sie müssen nur abgerufen und konsequent angewandt werden.

Michael Rausch




Veröffentlicht am:
10.10.2009