Unser Logo Unsere Schule Unser Hundertwasser-Flur Stadtwaldfest Skifreizeit in Mittenwald Jedem Kind sein Instrument Freiarbeit nach Montessori Fußballturnier
Albert-Einstein-Realschule      Offener Ganztag - individuell gestaltet

Wer stört, sieht die gelbe Karte

Schulzeit Ausgabe Sommer 2009 - Schulministerium NRW

Lehrer haben es nicht leicht, sich gegen Schüler in den „wilden Jahren“ zu behaupten. Gefordert sind klare Regeln.


Ist es unhöflich, während des Unterrichts ans Handy zu gehen? Und warum sollte ich Blickkontakt halten, wenn ich mit jemandem spreche? Fragen wie diese werden an der Essener Albert-Einstein-Realschule in der „Benimm-AG“ behandelt, die in der 9. und 10. Klasse im Wahlpflichtbereich der Schule angeboten wird. „Der Kurs hilft durch die Schwierigkeiten der Pubertät“, sagt Schulleiterin Ulrike Liebenau. Die Lektionen trügen dazu bei, altersbedingte Unsicherheiten bei den Schülern abzubauen. „Es ist alles viel leichter, wenn man sich gut benimmt“, meint die Rektorin. Gerade für Pubertierende. Tatsächlich sind besonders in den sogenannten Flegeljahren klare Verhaltensregeln gefragt. 

Zwölf- bis 16-Jährige brauchen ein hohes Maß an Orientierung, betont auch der Neusser Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch. Weil in der Pubertät das Innenleben mitunter aus den Fugen gerate, bedürfe es eines geraden Kurses vonseiten der Erwachsenen. „Die Pubertät ist eine Phase des Aufbegehrens“, sagt er. Darunter leide nicht selten die Schule. Störungen im Unterricht häuften sich. Mitunter entstehe in Klassen eine Gruppendynamik, die im Chaos münde, wenn die Lehrer sich nicht entschlossen dagegenstemmten. 

Wunsch rät: frühzeitig Regeln vereinbaren – und bei Verstößen schnell und konsequent  handeln. Und wie? Der Buchautor („Die Verwöhnungsfalle“, „Abschied von der Spaßpädagogik“) empfiehlt ein Modell, das dem Fußball entlehnt ist: Der Lehrer vereinbart mit der Klasse, dass Regelverstöße von einem Schüler mit Gelben und Roten Karten geahndet werden. Die Rolle des Schiedsrichters sollte täglich neu besetzt werden, um nach und nach alle Schüler einzubeziehen. Die Vorteile: Der Lehrer muss sich nicht ständig mit den Schülern auseinandersetzen; Pubertierenden fällt es in einem solchen System meist leichter, sich zurechtweisen zu lassen. Mit welchen Konsequenzen Gelb- oder Rotsünder zu rechnen haben, sollten Lehrer und Schüler zuvor miteinander abstimmen. 

Wichtig auch: Die Eltern müssen den Kurs mitgehen. Sie sollten den Lehrern die schwierige Aufgabe erleichtern und sich nicht gegen jede Schulstrafe, die das eigene Kind trifft, zur Wehr setzen, sagt Wunsch. Er weiß: Lehrer erleben den Nachwuchs in anderen Situationen als Eltern. Bei Irritationen helfe ein klärendes Gespräch, von dem der Sohn oder die Tochter gar nichts mitbekommen müsse. Eindeutige Botschaft gegenüber dem Kind: Wir Erwachsenen ziehen an einem Strang. 

„Klare Regeln, Verlässlichkeit, gute Umgangsformen“ – darauf sollten Eltern bei ihrer Erziehung setzen, betont Wunsch. Nicht erst, wenn ihre Kinder im Pubertätsalter sind, sondern auch schon früher. Aber: „Besser spät als nie. Allerdings ist es wesentlich leichter, einem Fünfjährigen zu vermitteln, dass er nicht über Tische und Bänke gehen darf, als einem 14-Jährigen.“ Wer also seinem Kind zeitig Grenzen verdeutliche und konsequent auf deren Einhaltung achte, werde die „wilden Jahre“ leichter überstehen, sagt der Erziehungswissenschaftler.  

Das wissen auch die Lehrer der Albert-Einstein-Realschule. Sie haben – zusätzlich zur Benimm-AG – einen zweimal jährlich stattfindenden „Knigge-Tag“ eingeführt, um auch schon ihren jüngeren Schülern Regeln fürs Miteinander nahezubringen. Am „Knigge-Tag“ wird nicht gerangelt und nicht gedrängelt, man hält sich die Türen auf und trägt einem Lehrer schon mal die Tasche. „Herrlich“, meint Schulleiterin Liebenau. Und durchaus mit Wirkung. Die Rektorin: „Bei uns sind höfliche Umgangsformen selbstverständlich.“  

Marc Raschke / Andrej Priboschek

Fotos: AES

Jugendliche können sich nicht benehmen? Die Benimm-AG mit Leiterin Doris Bonzel ist völlig anderer Meinung.

Geht doch: Victor hält Ronja die Tür auf.
 
 

Schlange stehen statt rangeln am Kiosk schont Nerven.
 
 Einfach mal rechts gehen auf der Treppe – kein Problem.



Veröffentlicht am:
16.06.2009