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Albert-Einstein-Realschule      Offener Ganztag - individuell gestaltet

Hier berät das Schülergericht

 vom 07.02.2009 von Kai Süsselbeck


Urteilsfindung im Klassenzimmer. Marc Daniels (16), Mario Krenn (16), Linus Holzhausen (17) und Kevin Fasse (17) beraten über die Höhe der Strafe.


An der Rellinghauser Albert-Einstein-Realschule urteilen Schüler über Fehlverhalten von Schülern. Das Experiment hat sich bewährt: Sanktionen werden akzeptiert, Wiederholungstäter sind selten.

„Herzlich willkommen im Schülergericht!"
Die Fünftklässlerin fühlt sich sichtlich unwillkommen am Schülergericht der Rellinghauser Albert-Einstein-Realschule: Schließlich sitzt sie auf der Anklagebank. Die Zehntklässler Kevin Fass6, Mario Krenn, Marc Daniels und Linus Holzhauser sitzen über sie zu Gericht: An der Bushaltestelle soll sie eine Mitschülerin an eine Wand geschubst haben. Die Schüler-Richter, ausgewählt aus geschulten Streitschlichtern, haben das Mädchen vorgeladen, nachdem das Opfer eine Anzeige im Sekretariat abgegeben hatte. Seit diesem Schuljahr tagt das Gericht einmal die Woche über in der Regel zwei Fälle. „Meistens sind es Sachen aus den 5. bis 7. Jahrgängen", sagt Linus Holzhausen. Nur einmal haben sie über einen Gleichaltrigen verhandeln müssen. „Das war schon ein bisschen komisch." Schulleiterin Ulrike Liebenau und Barbara Reiche, die die Schlichter und Richter betreut, haben die Erfahrung gemacht: „Sanktionen, die von Schülern verhängt werden, machen größeren Eindruck, als wenn sie von Erwachsenen kommen."

„Es war keine Absicht, und ich hab' mich entschuldigt!"
Das stimmt. Aber wirklich reuig wirkt, das Mädchen nicht auf die Schülerrichter. Außerdem ist sie Wiederholungstäterin. Schon einmal hat sie Sozialdienst leisten müssen.

„Will noch einer was sagen? Dann muss ich euch bitten, rauszugehen."
Vier Wochen sind die Schüler ausgebildet worden, haben sich auch echte Gerichtsverhandlungen angeschaut. Die Verhandlung folgt deshalb den gleichen Regeln: Anklage verlesen, Kläger und Angeklagte befragen, Zeugen hören, Rückzug zur Urteilsfindung, Diesmal geht es schnell: Verfahren vor dem Schülergericht haben noch nicht länger gedauert als 30 Minuten. Das Urteil ist einstimmig: drei Zeitstunden soziale Arbeit und eine schriftliche Entschuldigung bei der Klägerin. Es wird verkündet und erklärt.

„Beim nächsten Mal wird die Strafe deutlich höher. Deshalb hoffen wir, dass wir dich hier nicht mehr sehen."
Das wäre dann das erste Mal, dass jemand zum dritten Mal vor dem Schulgericht antreten müsste. Die Urteile sind nicht bindend. Eltern bekommen es schriftlich und können für ihre Kinder Berufung bei der Schulleiterin einlegen. Das passiert aber so gut wie nie. Denn das Schülergericht ist die letzte Instanz, dessen Votum nicht in die Personalakte eingetragen wird. Danach rollt die schulische Disziplinar-Maschinerie an: mit festgelegten Eskalationsstufen bis hin zum Schulverweis.

 




Veröffentlicht am:
08.02.2009